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Band des Monats Februar 2007: IN THE NURSERY

Interview mit Klive & Nigel

GFN:

Hallo und Gratulation zu 25 Jahre "In The Nursery"! Würdet ihr euch bitte einmal kurz unseren Lesern vorstellen?

ITN:

IN THE NURSERY gibt es seid 1981. Die Band besteht aus den Zwillingen Klive und Nigel Humberstone, die mit der multi-lingual Sängerin Dolores Marguerite C und Percussionist David Electric rund um die Welt spielen.

GFN:

Euer neues Album "Era" wurde gerade veröffentlicht (22.01.07). Die Pressemkritiken sind sehr enthusiastisch.
Wie würdet ihr selber eure neue Scheibe beschreiben?

Klive:

Das eigentliche Konzept für das Album war Musik zu machen, die durch Architektur inspiriert wird.
Musik und Architektur sind verbunden durch den Geist der Kreativität, die Fähigkeit zur Vorstellung und Erschaffung. So hatten wir als Grundgerüst verschiedene Gebäude im Kopf. Wir machten Fotos von Tempeln und Schreinen während wir Japan besuchten (August´05). Das war dann eher ein Feldversuch als ein Urlaub. Wir schauten uns Fotos von Statuen und Monumente aus unserem vergangenem Urlaub in Mexiko an und den Unmengen von Gebäuden dort (alt und neu), die wir gesehen hatten.
Wir überlegten uns, wie man eine solide Struktur in einen musikalischen Sound interpretieren könnte.
Das Millau Viaduct Project in Frankreich war eine besondere Inspiration und der Track 'Tempered Wings' hiess ursprünglich 'Millau' bis Sarah Jay ihren Gesang hinzufügte.

GFN:

25 Jahre... eine lange Zeit, was? Was treibt euch immer weiter an, diese spezielle Art von Musik zu machen? Woher nehmt ihr eure Inspirationen?

Klive:

Ich habe schon in früheren Interviews davon erzählt, wie wir zu unserem 16ten Geburtstag eine elektrische Gitarre bekommen hatten und vom dem Erlebnis des Live Konzertes von Joy Devision im Jahre 1979.
Unser älterer Bruder war ein Amateur DJ in seiner Jugend und Musik drang ständig aus seinem Zimmer zu der Zeit - es war ein grosses Spektrum an Musik, von Ska und Reggae bis frühem Rock mit viel Northern Soul. Musik war für mich immer eine Emotion und wird es auch bleiben ohne sie könnte ich mir nicht zu leben.

GFN:

Sarah Jay Hawley, bekannt für ihre Zusammenarbeit mit "Massive Attack", singt auf 3 Stücken. Wie habt ihr sie kennengelernt?

Nigel:

Sarahs Name tauchte bei Gesprächen auf und ich traf sie ein paar Mal. Wir redeten über die Möglichkeit, dass sie ins Studio kommt und ein paar Tracks ausprobiert. Ich hatte natürlich auch ihre Sachen von Massive Attack gehört bzw. einige andere neue Tracks und war sehr beeindruckt.
Arbeiten mit Sarah war wirklich einfach und sehr produktiv. Wir luden sie einfach ein ohne ihr vorher etwas vorzuspielen. Dann zeigten wir ihre Teile der Texte, Phrasen, Wörter und spielten ihr die Tracks vor.
Dann schrieb sie weitere Texte, arbeitete an den Melodien und wir mussten das Ganze nur noch aufnehmen.
Es war sehr straight und organisch.

GFN:

Euer Sound ist sehr speziell. Ich habe immer angenommen, ihr hättet eine klassische Ausbildung. Aber in einem anderen Interview habe ich gelesen, dem ist gar nicht so. Daher, wie entwickelt ihr eure bombastischen Songs, die Partituren, usw.? Könnt ihr ein typisches "Making Of" mal schildern?

Klive:

Es ist wahr, das weder Ich noch Nigel Noten lesen können.
Alles, was wir tun ist "per Gehör" mit der Erfahrung der jahrelangen Arbeit.
Soundtracks für Stummfilme und Studio Alben können zwei gänzlich unterschiedliche Diziplinen sein. Ein fertiges Bild/Film fokussiert die Möglichkeiten, ein neues Studio Album lässt Platz für Freiheit und Expressionen.
Wir fangen meist mit einem Percussion Rythmus oder einer Melodie/Akkord an auf einem Piano. Das wird in den Studio Sequencer aufgenommen und bearbeitet. Manchmal schreiben wir Teile für ein echtes Cello oder Flöte, dann laden wir die Musiker ein, ihre Musik selber einzuspielen oder wir experimentieren mit unseren Sounds weiter herum.
Gesang und Texte kommen meist erst zum Ende des Prozesses hinzu.

Nigel:

Auf "ERA" verlangten einige Tracks nach ihrer eigenen Melodie und Text. Ich finde, wenn du einen Track sehr laut spielst, hörst du bestimmte Töne, die dich inspirieren zu einer bestimmten Melodie - so passiert bei "Silent in Time" oder den backing vocals auf "Futurebuild". Ein Vorab-Text wurde für eine Live-Darbietung von "Blueprint" geschrieben, aber als wir im Studio waren, wurde alles umgeschrieben für das Album. Dolores hatte den Luxus mit groben Mixen zu arbeiten für ihren Gesang. Sie zeigte und dann die Texte, die später von allen zusammen während der Aufnahmephase arrangiert wurden - Diskussionen über Intonation, Wortwahl und wie bei "Vantage" sogar die Wahl der Sprache wurde besprochen (Französisch statt Englisch).


GFN:

Ihr habt auch eine Menge Filmmusik geschrieben. Könnt ihr bitte mal ein paar Namen nennen? Gibt es da aktuelle Projekte, an denen ihr arbeitet?

Klive:

Wir haben die Musik für 6 Stummfilme geschrieben - das nennen wir Optical Music Scores: 'Cabinet of Dr Caligari', die Dokumentation 'Man with a Movie Camera', der deutsche Film: 'Asphalt' und der japanische Stummfilm 'A Page of Madness'.
Unsere Musik wurde ausserdem für einige Hollywood Trailer benutzt. Unter anderem 'Interview mit einem Vampire' und 'Aviator'.
Beides sind spannende Nebenstränge unserer Musik.

GFN:

Nun ein oder zwei Fragen die zu unserer Gothic Eltern Community passen :-)! Klive, du hast zusammen mit ITN Sängerin Dolores C. Marguerite (ich verwechsel euch 2 jetzt hoffentlich nicht ;-)) eine Tochter. Letztes Jahr war sie mit auf dem WGT, hat euch sogar auf die Bühne begleitet. Hat sie ein musikalisches Talent?

Klive:

Nun, wir traten beim Jubille Ball auf und sie unterstützte uns auf der Bühne mit einem Tambourin und hatte richtig Spass dabei. In der Schule nimmt sie Cello Unterricht (zufälligerweise ist ihre Musiklehrerin Liz Hanks, die auf unserem letzten Album mitgewirkt hat!) und zuhause haben wir ihr die erste eigene Gitarre gekauft auf der sie übt.

GFN:

Mag sie eure Musik? Und nehmt ihr sie viel auf Reisen mit?

Klive:

India erkennt unsere Musik. Ich spielte ihr mal ein neues Stück im Auto vor, das sie noch nicht kannte, und sie wusste instinktiv, dass es unsere Musik war.
Wir sind mit ihr schon früh auf Reisen gegangen. Ihr erster Trip war mit 6 Monaten. Im Alter von 14 Monaten kam sie mit nach Mexiko City, wo wir auftraten.
Sie war mit uns bei zwei WGTs in 2001 und 2006. Sie war eigentlich ja auch schon vor Geburt mit uns unterwegs - als wir durch Deutschland tourten in 2000. Dolores war bis zum 6 Monat mit auf der Bühne.
India hat unsere Musik unterschiedlich kennengelernt, teilweise noch im Bauch.... das muss sehr laut gewesen sein!

GFN:

Einige Kritiker, sogar Leutchen aus der Szene, allerdings ohne Kinder, können nicht verstehen, warum wir unsere Kinder zu Veranstaltungen wie dem WT mitnehmen. Sie sagen, es wäre falsch, schlechter Einfluss, die Musik und die Leute wären zu extrem ;-), usw.
Was ist eure Meinung dazu?

Klive:

Ich finde, dass das WGT eines der grössten Events seiner Art ist. Ich widerspreche jedem, der sagt es sei nicht familientauglich. Ich wünschte meine Eltern hätten mich zu so etwas mitgenommen als ich 5 Jahre war! Ich denke, dass ist im Endeffekt eine persönlichen Entscheidung. Es ist schon praktisch, dass das WGT Kindern und Eltern die Teilnahme erlaubt. Live Musik mit meiner Tochter zusammen anzuhören ist eine Belohnung der besonderen Art - ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens (für beide Seiten!).

GFN:

Zu guter Letzt, ihr plant eine Tour für diesen Frühling/Sommer? Wisst ihr schön Plätze, wo ihr spielen werdet?

Nigel:

Zur Zeit komponieren wir neue Musik für eine spezielle Zeremonie auf einem grossen europäischen Festival im Mai.
Die Präsentation ist sehr gross angelegt.
Mehr Details wird es auf der ITN Homepage geben.
Wir sollen 30 Minuten neue Musik schreiben und live performen.

GFN:

Vielen Dank für das Interview!

In The NURSERY Homepage: http://www.inthenursery.com/
Fotos mit freundlicher Genehigung von ITN

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