
Interview mit ASP
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Trotz Stress am
Jahresende hatte ASP sich Zeit genommen für ein Emailinterview mit unserem
Mitglied Lost in the Dark
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GFN:
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Sei so lieb und stell doch als Erstes einmal dich und die
Band vor
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ASP:
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Hallo, ich bin ASP. Das Projekt ASP wurde 1999
gegründet, als mein Mitstreiter Matthias und ich zusammen feststellten,
dass wir von unseren Vorgängerprojekten hauptsächlich Frust
mitgenommen hatten, trotzdem aber ohne Musik nicht leben können.
Zur Live-Besetzung kamen dann ziemlich schnell Tosser am Bass und Himmi am
Schlagzeug dazu, zwei unverzichtbare Mitverschwörer, die zwar am kreativen
Prozess nicht beteiligt sind, jedoch viele andere wichtige Funktionen haben.
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GFN:
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Wann und wie bist du zur Szene gekommen?
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ASP:
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Über viele lustige Umwege. Ich komme aus einer
Kleinstadt, die spießig ist, dass sogar Leland Gaunt seinen Needful
Things-Laden direkt wieder zugemacht hätte, um sich woanders zu
vergnügen. Ich glaube, es gab zu der Zeit im ganzen Umkreis insgesamt 2,7
Gothics und ich stand mehr auf Metal.
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Dann hat mir ein punkiger Klassenkamerad ein
Mix-Tape ausgeliehen, auf dem Alien Sex Fiend und die Sisters of Mercy drauf
waren. Das hat mich dermaßen berührt, dass ich unbedingt mehr
hören wollte.
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GFN:
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Ihr wart dieses Jahr unheimlich viel unterwegs: die Tour im
Frühjahr, WGT, Bochum. Außerdem habt ihr im Juli eure neue CD auf
den Markt gebracht.
Desweiteren wart ihr im Herbst auf Tour durch Deutschland/ Österreich/
Schweiz. Macht dir eure Arbeit trotz der ganzen Hektik und des Stresses
Spaß?
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ASP:
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Es gibt viele Dinge, die machen keinen Spaß, was aber
daran liegt, dass Matze und ich uns auch am liebsten um alles selbst
kümmern würden, wenn der Tag ca. 80 Stunden hätte. Wir sehen uns
aber prinzipiell als Familienbetrieb, und bevor wir irgendwelche Aufgaben an
Fremde abgeben schauen wir erstmal, in wie weit wir sie intern regeln
können. Dies bedeutet allerdings, dass wir auch sehr alltagstauglich sein
müssen, ich z.B. bin in den allerwenigsten Fällen in irgendeiner Form
rausgeputzt, wenn ich auf die Strasse gehe. Modepüppi zu sein
wäre bei mir nicht drin.
Zurück zur Frage. Das Musizieren auf der Bühne, das Songschreiben,
die Arbeit im Studio, alles, was direkt Kunst produzieren bedeutet macht
natürlich unglaublichen Spaß. Aber es gibt viele nervige Aufgaben
nebenher zu erfüllen, mehr, als der Fan draußen je bemerken
würde, was auch gut so ist.
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GFN:
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Dass du dieses Jahr extrem unter Stress standest, davon
konnte ich mich ja selber überzeugen ;-). Was machst du, wenn wir dich
nicht auf der Bühne sehen. Gibt es bei dir auch Alltag?
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ASP:
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Sicher gibt es den, und zwar nicht zu knapp. Allerdings
ist natürlich damit nicht gemeint, dass es einen weiteren Alltag neben dem
Musikerjob gibt. Ich versuche alles zu integrieren.
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GFN:
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Viele Bands aus der Szene vermarkten sich so
gut, weil sie über die Medien ein breiteres Publikum ansprechen. Habt ihr
euch schon mal überlegt von euren Singles Videos zu produzieren? Der Stoff
gäbe das sicher her
Oder seit ihr dieser Entwicklung gegenüber
eher negativ eingestellt?
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ASP:
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Ich kenne nun wirklich keine wirkliche Gothic-Band, die
über solche Medien ein großes Publikum erreichen, sorry. Goth ist
den Musiksendern ein Graus. Mich würde das Medium Film und Musik dennoch
reizen, weil ich ein sehr visueller Mensch bin, aber für so ein Projekt
müssten wir lange sparen.
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GFN:
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Eure neue CD ist meiner Meinung nach ein echt gelungenes
Werk. Anders will ich das gar nicht bezeichnen. Versucht ihr euch mit jeder
neuen Produktion selber zu steigern oder ergibt sich das automatisch?
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ASP:
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Natürlich wollen wir uns verbessern. Gottseidank gibt
uns das Label Deadlines für die Abgabe unserer CD-Master, sonst
würden wir Jahre an unserer Musik schrauben. Wir finden immer noch etwas,
das wir besser machen können.
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GFN:
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Welche Musik bevorzugst du privat?
Hörst du ausschließlich schwarze Sachen oder hast du
noch andere Vorlieben?
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ASP:
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Du meinst jetzt musikalische, haha?
Ja, ich höre immer noch ganz gerne mal ein bisschen guten alten Metal
zwischendurch, aber eher aus den 80ern. Außerdem bin ich ein großer
Fan von Folk und Singer/Songwritern. Ach, da gibt es so vieles.
Ich höre gerne schwarz, aber zur Zeit ist es durch die unglaubliche
Schwemme an Veröffentlichungen kaum möglich, die Perlen
rauszufischen..
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GFN:
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Unsere Internet- Seite heißt Gothic- Family-
Net.
Hast du oder haben die anderen Bandmitglieder selber Familie oder Kinder?
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ASP:
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Ich bin der einzige in der Band mit einem Kind. Mein Sohn
ist fünf und ganz große klasse.
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GFN:
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Es gibt viele ASP- Fans in unseren Reihen. Einige unserer Familien
(außer uns) bringen auch ihre Kinder mit zum Konzert. Findest du das OK,
spricht eure Musik auch schon die ganz kleinen Fans an? Kriegst du außer
von Saskia schon mal Post von Kindern?
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ASP:
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Ab und zu. Böse Zungen behaupten ja, bei ASP-Konzerten würden
sich hauptsächlich Kinder herumtreiben, das ist aber sicher
eine Frage der temporalen Perspektive.
Im Ernst. Für mich ist das ein sehr schwieriges Thema. Zum einen bin ich
sehr dafür, dass Kinder meine Songs gut finden, das macht mich froh und
stolz, da ich glaube, dass sie ein oft unverdorbenes Gefühl für gute
Melodien haben. Auf der anderen Seite stehe ich dem sehr skeptisch
gegenüber, wenn ASP-Fans ihre Kinder quasi zum Fan erziehen,
da ich denke, man sollte Kindern vor allem Freiraum lassen.
Gerade bei kleineren Kindern ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, ihnen
eine reiche Palette an Musik anzubieten, aus der sie sich bedienen können.
Die Eltern sind hier ganz klar gefordert, Musik mit ihren Kindern zusammen zu
konsumieren und genauso ein Grundwissen mitzubringen wie bei anderen Themen.
Ich habe natürlich im Prinzip nichts dagegen, wenn Familien ihre Kinder zu
Konzerten mitbringen.
Allerhöchste Priorität müssen hier aber Sicherheit und
gesundheitliche Unversehrtheit haben. Bei uns geht es enorm laut und manchmal
auch ruppig zu. Gut sitzende Ohrenstöpsel sind das A und O eines
Konzertbesuches und man kann sich jederzeit mit uns in Verbindung setzen, wo
bei den Konzerten soundtechnisch die besten Plätze sind.
Eine gute Gelegenheit für Kinder, ein Konzert zu besuchen wird auf jeden
Fall dieOnce in a Lifetime-Tour im April 2006, einfach deshalb,
weil es nicht so ein Gedrängel gibt und auch nicht so laut ist. Zudem ein
weiterer Vorteil ist, dass die Konzerte nicht so spät anfangen, denn
Schlaf ist ja wirklich eine wichtige Sache habe ich mal gelesen.
Gerne können wir da auch mal probieren für diese Konzertreise
Familien besser zu integrieren. Der letzte Punkt, zu dem ich etwas sagen
möchte ist der, dass gerade meine Texte oft für Kinder nicht leicht
zugänglich sind. Zum einen gibt es den einen oder anderen, der nicht
jugendfrei ist, da sollte man schon ein wenig Fingerspitzen-Skip-Gefühl im
Beisein von kleinen Kindern haben und auch hier gilt: Interpretation ist eine
Sache, aber man kann bei Kindern solche Aussagen wie Ich will
brennen oder Schwarzes Blut nicht unreflektiert stehen
lassen. Hier gilt es eben, sich auch gemeinsam mit den Texten zu
beschäftigen.
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GFN:
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Viele von uns werden schon komisch angeschaut, wenn wir gestylt mit
Kindern unterwegs sind. Auch und gerade von anderen Szene- Gängern. Dabei
verändert sich unsere Lebenseinstellung ja nicht automatisch durch die
Geburt eines Kindes grundlegend. Gothics mit Kindern und dann auch noch eine
große Community mit diesen Familien, damit sie untereinander in Kontakt
treten können
Wie stehst du dazu?
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ASP:
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Also zunächt muss ich mal zugeben, dass ich immer ein recht
breites Grinsen bekomme, wenn ich sehe, dass eine als reine
Jugendbewegung abgetane Lebensart schon selbst neue Jugend
hervorbringt. Aber ich kann schon verstehen, dass die Klischeegruftis nicht
wirklich mit ihren Ansichten vereinbaren können, Leben in diese Welt zu
setzen. Wichtig, dies ist nicht meine Ansicht, ich habe nur Verständnis
dafür!
Allerdings, wenn ich Deine Fragestellung noch mal genauer unter die Lupe nehme,
fällt mir auf, dass Du ja auch gesagt hast, Ihr würdet komisch
angeschaut, von Gleichgesinnten auch noch. Och, ich weiß nicht. Sind wir
das nicht so langsam mal alle gewöhnt, komisch angeschaut zu werden?
Solange die Kinder nicht gegen ihren Willen aufgestylt werden ist doch alles
prima. Vielleicht ist das Problem ja eher ein gesellschaftliches, nicht eines,
das nur in der Szene auftritt. Achte doch mal darauf, wie Du woanders
angeschaut wirst, wenn Du mit Kindern unterwegs bist! Mein guter Freund Pit
Hammann sagt es immer so schön und zitierenswert: In einem Land, in
dem so viel mehr Raum für Autos bereitgestellt wird als für Kinder
KANN etwas nicht richtig laufen.
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GFN:
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Das allgemein Klischee von der Szene ist: alle sind depressiv,
lebensmüde und immer tiefgründig. Wir gehen zum Lachen in den Keller
(oder in die Gruft ;-)).
Bist du ein lustiger Mensch oder welche Art von Humor hast du? Worüber
lachst du?
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ASP:
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Ich bin ja immer wieder gerne bereit, MEIN Selbstverständnis als
Goth in der Öffentlichkeit breitzulatschen. Ich bin tatsächlich ab
und zu depressiv, das gebe ich gerne zu. Es sind aber fast immer
äußere Umstände, die mich depressiv machen. Was allerdings mein
Wesen ausmacht, aus der sich meine Lebensart heraus definiert, so muss ich
sagen, ich bin ein positiver Mensch, gerade WEIl ich ein Gothic bin.
Ich habe mich schlicht damit abgefunden, dass es auch auszulotende Tiefen im
Leben gibt. Ich lebe meine Melancholie und meine dunkle Seite aus, und das
macht mich zu einem zufriedeneren und unverkrampfteren Menschen. Alles andere
ist doch Heuchelei, denn die Welt, bzw die Menscheit ist definitiv enorm
verbesserungswürdig.
Was den Humor angeht: Ich lache gerne und oft. Ich lache vor allem gerne
über mich selber, denn ich nehme mich nicht allzu ernst. Außerdem
lache ich über Pit Hammann, seinen Roman Starfucker kann ich
nur jedem empfehlen und wer den Roman gelesen hat kann sich ungefähr
vorstellen, wie viele unserer Gespräche aussehen.Ein prima
Weihnachtsgeschenk übrigens!
Wenn mir die Werbung erlaubt ist. Allerdings bin ich ansonsten ein großer
Fan des Schmunzelns. Da kann man besser dabei denken.
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GFN:
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Das Weihnachtsfest steht ja gerade vor der Tür und für viele
von uns hat diese Zeit ja eine ganz spezielle Bedeutung im Bezug auf Familie
und Freunde. (Wie) Feierst du Weihnachten?
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ASP:
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Verschieden. Da ich von meiner Frau getrennt lebe ist es natürlich
immer eine rein organisatorische Sache, übrigens nicht nur an Weihnachten.
In diesem Jahr darf ich mal in den Schreib-Urlaub fahren gleich nach
Weihnachten und werde meinen Sohn wieder ganz schrecklich vermissen. Den
Heiligabend verbringe ich mit meinen besten Freunden. Wir werden in irgendeiner
Küche rumsitzen und eventuell einen kleinen Nachtspaziergang in der
Still der Nacht machen. Nie ist es so wundervoll ruhig wie an
Weihnachten.
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GFN:
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Das soll's gewesen sein- natürlich fallen mir noch mindestens 100
000 andere Fragen ein. Bei den meisten davon würden dir sowieso die
Nackenhaare aufstehen, also lass ich's für diesmal dabei.;-)
Danke für das Interview!
(Fragen: Lostinthedark, Fotos: GFN) |
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