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Band des Monats September: ILUMINATE

Interview mit Johannes Berthold

Besonders gerne suchen wir bei GFN natürlich unsere Band des Monats unter denen aus, die auch schon Eltern sind, wie hier ILLUMINATE. ;-)

GFN:

Hallo zusammen! Zwar seid ihr ja sehr bekannt, aber da sich die Formationen manchmal ändern, könnt ihr euch kurz vorstellen?

JOHANNES

Unsere "Formation" hat sich tatsächlich in den letzten 12 Monaten ein wenig verändert, daher ist Deine Frage gar nicht so unberechtigt!
Außer mir (Johannes Berthold) und Jörn Langenfeld (unser Mann an der Gitarre) sind seit Anfang des Jahres fest mit im Line-Up: Conny Schindler (weiblicher Gesang) und Johannes Knees (Keyboards). Wie wir heißen, lässt sich ja bestimmt aus der Überschrift entnehmen : -)
- es gibt uns jetzt seit immerhin schon 11 Jahren! Mann, Mann...wie die Zeit vergeht...!!!

GFN:

Ihr blickt auf eine lange Geschichte zurück (11 Jahre).
Habt mit der 10x10 einen imposanten Rundblick gegeben, wo seht ihr euch, wenn ihr zurück/ nach vorne blickt? Habt ihr noch besondere Ziele mit/für die Band?

JOHANNES

Ohne konkrete Ziele und Visionen wäre ein konstruktives Schaffen m.E. nach gar nicht vorstellbar. Natürlich sind diese "Visionen" nicht explizit auf (kommerziellen) Erfolg ausgelegt, sondern implizieren stets nur die Verwirklichung bestimmter künstlerischer Ausdrucksweisen oder Ideen.
Ich betrachte ILLUMINATE ja seit jeher als mein ganz persönliches "Tagebuch", mit welchem ich einer großen Öffentlichkeit gegenübertrete. Wenn ich es schaffe, meine Gedanken, Ängste, Hoffnungen und Perspektiven den Fans und Freunden unserer Musik näher zu bringen - und vielleicht sogar in dem ein oder anderen Fall dazu beitragen kann, dass sich ein Mensch in uns wiederfindet und/oder bestätigt fühlt - so ist das schon ein ganz großer Erfolg!
Diese Motivation ist am ehesten das "Ziel", für welches es sich stets zu arbeiten lohnt!

GFN:

Eure neue CD kommt im September heraus. Zwar hatten wir nur das Presserelease zum reinhören, aber dies ließ schon auf was Gutes hoffen.
Eure Lyrics sind sehr emotional, mit viel Eigenerfahrung bestückt. Benutzt ihr die Musik als Möglichkeit Erfahrungen zu verarbeiten?
Könnt ihr uns einen Einblick hinter die Songs gewähren? Was hat euch inspiriert?

JOHANNES

Wie eben schon angemerkt, inspirieren mich (uns) stets sehr persönliche Themen. Ich kann aber schlecht zu einzelnen Songs oder deren Inhalt oder Titel Stellung nehmen und/oder Definitionen abgeben, da ich ein Vertreter der Meinung bin, dass es absolut uninteressant ist, was sich der Künstler bei den Liedern denkt - der Eindruck und die Interpretation der Hörer ist stets viel wichtiger und entscheidender!
Wie jedoch der Titel "AugenBlicke" schon andeutet, ist die neue CD kein Konzeptalbum im eigentlichen Sinne, sondern eher eine "Sammlung" diverser Themenbereiche, die mich in den letzten ein, zwei Jahren bewegt haben. Unter anderem ist dies die Geburt meines Sohnes (worauf sich der Song "Sonnenkind" bezieht), meine persönliche Affinität und Erfahrung mit dem Verrinnen der Zeit (u.a. "Ich kenn' die Welt nicht mehr") und eine Reflexion auf unsere Trilogie aus den Anfangsjahren ILLUMINATEs ("Nach dem Erwachen").

 

GFN:

Du, Johannes, bist ja auch stolzer Papa seit einiger Zeit ;-)
Wie verbindest du das Musikerleben (on Tour, lange Studioarbeiten) mit dem Vater sein?

JOHANNES

Die Arbeit im Studio hindert mich nun weniger am Zusammensein mit meinem Kleinen, da ich ja ein großes Tonstudio mein Eigen nennen kann, welches sich zudem noch (oh, wie geschickt! : ) in meinem Haus befindet!
Die Trennung bei Tourneen und Auslandskonzerten (gerade in dieser Woche fliegen wir wieder für acht Tage nach Mexiko, um Konzerte und Interviews zu geben) ist jedoch ganz schmerzlich für mich! Mein Sohn ist jetzt auch erst 10 Monate alt, so dass man ihm noch nicht deutlich machen kann "Der Papa kommt ja bald wieder!" - es ist wirklich doppelt schlimm, wenn man sieht, dass der Kleine dann zusätzlich unter der Trennung leidet.
Meine Frau erzählt mir dann immer, wie er mich sucht und nach mir ruft, wenn ich für einige Tage außer Haus bin! Schrecklich...!

GFN:

Hast du eine bestimmte "gothicgefärbte" ;-) Erziehungsweise?

JOHANNES

Das würde ja implizieren, dass ich selbst ein "Gothic" bin! :-)
Gegen diese "Eingliederung" verwahre ich mich immer ein wenig! Spaß beiseite: Du müsstest mir in diesem Zusammenhang erst einmal erklären, wie eine "gothicgefärbte" Erziehung denn aussieht! Kauft man da schwarze Pampers oder Strampler? :-]]
Ich denke, dass eine Erziehung nie in einer Weise "gefärbt" sein sollte, sondern so natürlich und den Bedürfnissen und der Entwicklung des Kindes angepasst sein sollte, wie nur irgend möglich!

 

Das schließt nicht aus, dass man dem Nachwuchs gewisse "Werte" und Regeln mit auf den Weg geben muss (was schon sehr früh beginnen kann), die ein späteres soziales Verständnis und Miteinander ermöglichen - ob man dies jedoch von einer Jugend- und Modekultur (um die schwarze Szene nun einmal ganz oberflächlich und leicht zynisch zu umschreiben) prägen lassen sollte, halte ich für sehr bedenklich!


GFN:

Unsere Familien sind ja (nach unseren Erfahrungen) oft toleranter/offener als andere Eltern, haben allerdings auch vermehrt Probleme in Kindergarten und Schule.
Bist du als Musiker, Johannes, da noch mehr im Blickpunkt?

JOHANNES

Ob die Behauptung mit der Toleranz und Offenheit so stimmt, kann ich nicht nachvollziehen. Was sind "andere" Eltern? Meinst Du, dass Eltern, die z.B. Metaller oder Tech-no-Hörer sind, intoleranter und verschlossener sind, als "Gothics"? Das kann ich mir nicht vorstellen!

Meiner Meinung nach hat das auch viel mit Alter, Altersunterschieden, Generationskonflikten und sonstigem sozialen Umfeld zu tun (unabhängig von einer Szene-Zugehörigkeit)! Das aber nur am Rande!
Ich glaube nicht, dass ich als Musiker stärker im Blickpunkt der Kindergärtner, Lehrer oder Eltern stehe. Ich trage ja kein Schild um den Hals, wo "Musiker" drauf steht! : -)
Es kann schon sein, dass man als "Schwarzer" aufgrund der Klamotten ein wenig schräg angeschaut wird - mir selbst z.B. (obwohl ich in einem kleinen Dorf im relativ konservativen Schwarzwald lebe) ist das aber eigentlich so gut wie noch gar nicht passiert. Die Leute schauen auch nicht nur explizit auf schwarze Klamotten (die ja an sich heutzutage noch keinen Schocker darstellen), sondern auf das ganze Verhalten eines Menschen. Ich denke, wenn man sich intelligent und rhetorisch gut (oder wenigstens normal) verhält, haben die Lehrer, Eltern etc. keinen Grund mehr, aufgrund der Kleiderwahl eine Abgrenzung vorzunehmen! Meinst Du nicht auch?!
(Anmerkung der Red.: Sollte so sein. Leider wissen wir aus mehrfacher Erfahrung unserer Families, dass dem leider nicht so ist..)

GFN:

Ein Streitpunkt ist auch meist die Frage der Religion. Seid ihr in irgendeiner Form gläubig?

JOHANNES

Ich beziehe das "ihr" jetzt einmal auf meine Familie und nicht auf die Band, da ich nicht für die anderen "ILLUs" sprechen kann.
Ich selbst würde mich schon als gläubigen Menschen bezeichnen. Ich bin zwar kein "Christ" im eigentlichen Sinne des Wortes (da ich das Bild vom menschgewordenen Gottessohn ablehne), finde die christlichen Werte, auf welche unsere Gesellschaft aufgebaut ist, jedoch durchaus akzeptabel und gut. Ich glaube an einen Gott, mit dem man auch durchaus kommunizieren und "verhandeln" kann! Das mag dem ein oder anderen vielleicht albern erscheinen, aber ich kann nur subjektiv aus meiner ganz persönlichen Erfahrung berichten!
Ein Nichtexistieren einer göttlichen Idee oder Macht (was die Welt, das Leben, die Liebe etc. alles zur "Zufälligkeit" degradieren würde) empfände ich als sehr trost- und sinnlos!

GFN:

In Eurer Biographie heißt es das ihr sehr polarisiert. Wie fühlt man sich, wenn man einerseits hochgelobt und andererseits eher "missverstanden" wird?

JOHANNES

Dazu kann ich nur sagen, dass es nie mein erklärtes Ziel war, von allen geliebt und verstanden zu werden! Wie das alte Sprichwort schon sagt, ist der Geschmack nun einmal total verschieden (was auch gut so ist).
Ich gebe gerne zu, dass es vielen Leuten nicht leicht fällt - oder gar unmöglich ist - sich mit meinen Texten und unserer Musik auseinander zu setzen. Dies liegt schon darin begründet, dass wir nun einmal in unserer Muttersprache singen - und dadurch die Texte verständlich werden - und meist Themen behandeln, die eben sehr direkt und persönlich sind.
Diese Tatsache wird von vielen Leuten (ohne ihnen dadurch einen Vorwurf zu machen) als kitschig und unerträglich empfunden. Im Gegenzug gibt es viele, viele Tausend Fans unserer Band, die eben gerade DAS so toll finden! Ich bin im Laufe der Jahre sehr abgestumpft, was das negative Empfinden beim Lesen von "Verrissen" oder schlechten Kritiken anbelangt. Dies ist nicht zuletzt darin begründet, dass wie nun eben seit über 10 Jahren sehr große Erfolge (kommerzielle wie ideelle) innerhalb der (schwarzen) Musikszene feiern.
"Viel Feind, viel Ehr!", wie es so schön heißt! Natürlich verletzen mich aber nach wie vor Kritiken, die von vornherein darauf angelegt sind, meine Person, die Band oder unsere Musik unter der Gürtellinie zu verhöhnen oder zu kritisieren. Dies hat in den letzten Jahren jedoch absolut abgenommen und kommt nur noch sehr vereinzelt vor!

GFN:

Einige unserer GFN-Familien sind sehr große Fans von Euch. Habt Ihr noch ein paar Worte zu Abschluss?

JOHANNES

Ich habe mich sehr gefreut, Eure Seite kennen gelernt zu haben (leider kannte ich diese vor unserem Interview hier noch gar nicht)!
Die Fotos von den Familien sind allesamt ganz toll - leider mussten wir uns (ganz subjektiv) für einen "Gewinner" entscheiden! Wichtig ist jedoch: Ihr seid alle Gewinner!!!
Und Euer Gewinn ist das schönste und wichtigste, was es im Leben (egal, ob schwarz oder bunt!) nur geben kann: Eure Kinder! Wenn es wirklich einen Sinn im Leben gibt, so sitzt dieser in Form Eurer Sprösslinge jeden Tag vor Euch - dies sollt und dürft Ihr nie vergessen!
Unsere Kinder sind unsere Zukunft; ich wünsche mir sehr, dass wie ihnen vermitteln können, wie schön die Welt und das Leben sein können, und was man dafür tun und leisten muss, um an der Welt mitzuarbeiten, sie zu erhalten und zu verbessern!
Ich wünsche Euch viel Kraft und das nötige Quäntchen Weisheit (das auch ich mir täglich wünsche), diese ungeheure Aufgabe zu bewältigen!
"Das Leben hier auf dieser Welt ist keine Generalprobe!" Dieser Satz, den ich kürzlich von einem (mir eher unbeliebten) Politiker gelesen habe, hat mein Leben vielleicht mehr verändert, als viele Begebenheiten in den letzten 10 Jahren! Dies ist nicht die Probe für eine mögliches weitere Runde - dieses Leben ist Premiere und letzte Aufführung in einem!
Was wir jetzt falsch machen, machen wir falsch; was wir jetzt richtig machen, machen wir richtig!
Es gibt keine zweite Aufführung für uns!
Denkt darüber nach!

GFN:

Vielen Dank für deine Worte!

JOHANNES

Liebe Grüße!
Johannes Berthold


Zum CD- Tipp geht es hier
Illuminate im Web: http://www.illuminate.de/
Mehr Fotos von ILLUMINATE findet ihr (wie auch diese) unter obiger Website.

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