GFN:
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Hallo zusammen! Zwar seid ihr ja sehr bekannt, aber da sich
die Formationen manchmal ändern, könnt ihr euch kurz vorstellen?
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| JOHANNES
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Unsere "Formation" hat sich
tatsächlich in den letzten 12 Monaten ein wenig verändert, daher ist
Deine Frage gar nicht so unberechtigt!
Außer mir (Johannes Berthold) und Jörn Langenfeld (unser Mann an der
Gitarre) sind seit Anfang des Jahres fest mit im Line-Up: Conny Schindler
(weiblicher Gesang) und Johannes Knees (Keyboards). Wie wir heißen,
lässt sich ja bestimmt aus der Überschrift entnehmen : -)
- es gibt uns jetzt seit immerhin schon 11 Jahren! Mann, Mann...wie die Zeit
vergeht...!!!
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GFN:
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Ihr blickt auf eine lange Geschichte
zurück (11 Jahre).
Habt mit der 10x10 einen imposanten Rundblick gegeben, wo seht ihr euch, wenn
ihr zurück/ nach vorne blickt? Habt ihr noch besondere Ziele mit/für
die Band?
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JOHANNES
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Ohne konkrete Ziele und Visionen wäre ein
konstruktives Schaffen m.E. nach gar nicht vorstellbar. Natürlich sind
diese "Visionen" nicht explizit auf (kommerziellen) Erfolg ausgelegt,
sondern implizieren stets nur die Verwirklichung bestimmter künstlerischer
Ausdrucksweisen oder Ideen.
Ich betrachte ILLUMINATE ja seit jeher als mein ganz persönliches
"Tagebuch", mit welchem ich einer großen Öffentlichkeit
gegenübertrete. Wenn ich es schaffe, meine Gedanken, Ängste,
Hoffnungen und Perspektiven den Fans und Freunden unserer Musik näher zu
bringen - und vielleicht sogar in dem ein oder anderen Fall dazu beitragen
kann, dass sich ein Mensch in uns wiederfindet und/oder bestätigt
fühlt - so ist das schon ein ganz großer Erfolg!
Diese Motivation ist am ehesten das "Ziel", für welches es sich
stets zu arbeiten lohnt!
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GFN:
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Eure neue CD kommt im September heraus. Zwar hatten wir nur
das Presserelease zum reinhören, aber dies ließ schon auf was Gutes
hoffen.
Eure Lyrics sind sehr emotional, mit viel Eigenerfahrung bestückt. Benutzt
ihr die Musik als Möglichkeit Erfahrungen zu verarbeiten?
Könnt ihr uns einen Einblick hinter die Songs gewähren? Was hat euch
inspiriert?
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JOHANNES
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Wie eben schon angemerkt, inspirieren mich (uns) stets
sehr persönliche Themen. Ich kann aber schlecht zu einzelnen Songs oder
deren Inhalt oder Titel Stellung nehmen und/oder Definitionen abgeben, da ich
ein Vertreter der Meinung bin, dass es absolut uninteressant ist, was sich der
Künstler bei den Liedern denkt - der Eindruck und die Interpretation der
Hörer ist stets viel wichtiger und entscheidender!
Wie jedoch der Titel "AugenBlicke" schon andeutet, ist die neue CD
kein Konzeptalbum im eigentlichen Sinne, sondern eher eine "Sammlung"
diverser Themenbereiche, die mich in den letzten ein, zwei Jahren bewegt haben.
Unter anderem ist dies die Geburt meines Sohnes (worauf sich der Song
"Sonnenkind" bezieht), meine persönliche Affinität und
Erfahrung mit dem Verrinnen der Zeit (u.a. "Ich kenn' die Welt nicht
mehr") und eine Reflexion auf unsere Trilogie aus den Anfangsjahren
ILLUMINATEs ("Nach dem Erwachen").
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GFN:
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Du, Johannes, bist ja auch stolzer Papa seit einiger Zeit ;-)
Wie verbindest du das Musikerleben (on Tour, lange Studioarbeiten) mit dem
Vater sein?
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JOHANNES
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Die Arbeit im Studio hindert mich nun weniger am
Zusammensein mit meinem Kleinen, da ich ja ein großes Tonstudio mein
Eigen nennen kann, welches sich zudem noch (oh, wie geschickt! : ) in meinem
Haus befindet!
Die Trennung bei Tourneen und Auslandskonzerten (gerade in dieser Woche fliegen
wir wieder für acht Tage nach Mexiko, um Konzerte und Interviews zu geben)
ist jedoch ganz schmerzlich für mich! Mein Sohn ist jetzt auch erst 10
Monate alt, so dass man ihm noch nicht deutlich machen kann "Der Papa
kommt ja bald wieder!" - es ist wirklich doppelt schlimm, wenn man sieht,
dass der Kleine dann zusätzlich unter der Trennung leidet.
Meine Frau erzählt mir dann immer, wie er mich sucht und nach mir ruft,
wenn ich für einige Tage außer Haus bin! Schrecklich...!
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| GFN:
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Hast du eine bestimmte "gothicgefärbte"
;-) Erziehungsweise?
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JOHANNES
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Das würde ja implizieren, dass ich selbst ein
"Gothic" bin! :-)
Gegen diese "Eingliederung" verwahre ich mich immer ein wenig!
Spaß beiseite: Du müsstest mir in diesem Zusammenhang erst einmal
erklären, wie eine "gothicgefärbte" Erziehung denn
aussieht! Kauft man da schwarze Pampers oder Strampler? :-]]
Ich denke, dass eine Erziehung nie in einer Weise "gefärbt" sein
sollte, sondern so natürlich und den Bedürfnissen und der Entwicklung
des Kindes angepasst sein sollte, wie nur irgend möglich!
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Das schließt nicht aus, dass man dem
Nachwuchs gewisse "Werte" und Regeln mit auf den Weg geben muss (was
schon sehr früh beginnen kann), die ein späteres soziales
Verständnis und Miteinander ermöglichen - ob man dies jedoch von
einer Jugend- und Modekultur (um die schwarze Szene nun einmal ganz
oberflächlich und leicht zynisch zu umschreiben) prägen lassen
sollte, halte ich für sehr bedenklich!
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GFN:
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Unsere Familien sind ja (nach unseren
Erfahrungen) oft toleranter/offener als andere Eltern, haben allerdings auch
vermehrt Probleme in Kindergarten und Schule.
Bist du als Musiker, Johannes, da noch mehr im Blickpunkt?
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JOHANNES
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Ob die Behauptung mit der Toleranz und
Offenheit so stimmt, kann ich nicht nachvollziehen. Was sind "andere"
Eltern? Meinst Du, dass Eltern, die z.B. Metaller oder Tech-no-Hörer sind,
intoleranter und verschlossener sind, als "Gothics"? Das kann ich mir
nicht vorstellen!
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Meiner Meinung nach hat das auch
viel mit Alter, Altersunterschieden, Generationskonflikten und sonstigem
sozialen Umfeld zu tun (unabhängig von einer Szene-Zugehörigkeit)!
Das aber nur am Rande!
Ich glaube nicht, dass ich als Musiker stärker im Blickpunkt der
Kindergärtner, Lehrer oder Eltern stehe. Ich trage ja kein Schild um den
Hals, wo "Musiker" drauf steht! : -)
Es kann schon sein, dass man als "Schwarzer" aufgrund der Klamotten
ein wenig schräg angeschaut wird - mir selbst z.B. (obwohl ich in einem
kleinen Dorf im relativ konservativen Schwarzwald lebe) ist das aber eigentlich
so gut wie noch gar nicht passiert. Die Leute schauen auch nicht nur explizit
auf schwarze Klamotten (die ja an sich heutzutage noch keinen Schocker
darstellen), sondern auf das ganze Verhalten eines Menschen. Ich denke, wenn
man sich intelligent und rhetorisch gut (oder wenigstens normal) verhält,
haben die Lehrer, Eltern etc. keinen Grund mehr, aufgrund der Kleiderwahl eine
Abgrenzung vorzunehmen! Meinst Du nicht auch?!
(Anmerkung der Red.: Sollte so sein. Leider wissen wir aus mehrfacher Erfahrung
unserer Families, dass dem leider nicht so ist..)
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GFN:
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Ein Streitpunkt ist auch meist die Frage der Religion.
Seid ihr in irgendeiner Form gläubig?
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JOHANNES
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Ich beziehe das "ihr" jetzt einmal auf meine
Familie und nicht auf die Band, da ich nicht für die anderen
"ILLUs" sprechen kann.
Ich selbst würde mich schon als gläubigen Menschen bezeichnen. Ich
bin zwar kein "Christ" im eigentlichen Sinne des Wortes (da ich das
Bild vom menschgewordenen Gottessohn ablehne), finde die christlichen Werte,
auf welche unsere Gesellschaft aufgebaut ist, jedoch durchaus akzeptabel und
gut. Ich glaube an einen Gott, mit dem man auch durchaus kommunizieren und
"verhandeln" kann! Das mag dem ein oder anderen vielleicht albern
erscheinen, aber ich kann nur subjektiv aus meiner ganz persönlichen
Erfahrung berichten!
Ein Nichtexistieren einer göttlichen Idee oder Macht (was die Welt, das
Leben, die Liebe etc. alles zur "Zufälligkeit" degradieren
würde) empfände ich als sehr trost- und sinnlos!
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GFN:
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In Eurer Biographie heißt es das ihr sehr
polarisiert. Wie fühlt man sich, wenn man einerseits hochgelobt und
andererseits eher "missverstanden" wird?
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JOHANNES
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Dazu kann ich nur sagen, dass es nie mein
erklärtes Ziel war, von allen geliebt und verstanden zu werden! Wie das
alte Sprichwort schon sagt, ist der Geschmack nun einmal total verschieden (was
auch gut so ist).
Ich gebe gerne zu, dass es vielen Leuten nicht leicht fällt - oder gar
unmöglich ist - sich mit meinen Texten und unserer Musik auseinander zu
setzen. Dies liegt schon darin begründet, dass wir nun einmal in unserer
Muttersprache singen - und dadurch die Texte verständlich werden - und
meist Themen behandeln, die eben sehr direkt und persönlich sind.
Diese Tatsache wird von vielen Leuten (ohne ihnen dadurch einen Vorwurf zu
machen) als kitschig und unerträglich empfunden. Im Gegenzug gibt es
viele, viele Tausend Fans unserer Band, die eben gerade DAS so toll finden! Ich
bin im Laufe der Jahre sehr abgestumpft, was das negative Empfinden beim Lesen
von "Verrissen" oder schlechten Kritiken anbelangt. Dies ist nicht
zuletzt darin begründet, dass wie nun eben seit über 10 Jahren sehr
große Erfolge (kommerzielle wie ideelle) innerhalb der (schwarzen)
Musikszene feiern.
"Viel Feind, viel Ehr!", wie es so schön heißt!
Natürlich verletzen mich aber nach wie vor Kritiken, die von vornherein
darauf angelegt sind, meine Person, die Band oder unsere Musik unter der
Gürtellinie zu verhöhnen oder zu kritisieren. Dies hat in den letzten
Jahren jedoch absolut abgenommen und kommt nur noch sehr vereinzelt vor!
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GFN:
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Einige unserer GFN-Familien sind
sehr große Fans von Euch. Habt Ihr noch ein paar Worte zu Abschluss?
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JOHANNES
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Ich habe mich sehr gefreut, Eure
Seite kennen gelernt zu haben (leider kannte ich diese vor unserem Interview
hier noch gar nicht)!
Die Fotos von den Familien sind allesamt ganz toll - leider mussten wir uns
(ganz subjektiv) für einen "Gewinner" entscheiden! Wichtig ist
jedoch: Ihr seid alle Gewinner!!!
Und Euer Gewinn ist das schönste und wichtigste, was es im Leben (egal, ob
schwarz oder bunt!) nur geben kann: Eure Kinder! Wenn es wirklich einen Sinn im
Leben gibt, so sitzt dieser in Form Eurer Sprösslinge jeden Tag vor Euch -
dies sollt und dürft Ihr nie vergessen!
Unsere Kinder sind unsere Zukunft; ich wünsche mir sehr, dass wie ihnen
vermitteln können, wie schön die Welt und das Leben sein können,
und was man dafür tun und leisten muss, um an der Welt mitzuarbeiten, sie
zu erhalten und zu verbessern!
Ich wünsche Euch viel Kraft und das nötige Quäntchen Weisheit
(das auch ich mir täglich wünsche), diese ungeheure Aufgabe zu
bewältigen!
"Das Leben hier auf dieser Welt ist keine Generalprobe!" Dieser Satz,
den ich kürzlich von einem (mir eher unbeliebten) Politiker gelesen habe,
hat mein Leben vielleicht mehr verändert, als viele Begebenheiten in den
letzten 10 Jahren! Dies ist nicht die Probe für eine mögliches
weitere Runde - dieses Leben ist Premiere und letzte Aufführung in einem!
Was wir jetzt falsch machen, machen wir falsch; was wir jetzt richtig machen,
machen wir richtig!
Es gibt keine zweite Aufführung für uns!
Denkt darüber nach!
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GFN:
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Vielen Dank für deine Worte!
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JOHANNES
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Liebe Grüße!
Johannes Berthold
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Zum CD- Tipp geht es hier
Illuminate im Web: http://www.illuminate.de/
Mehr Fotos von ILLUMINATE findet ihr (wie auch diese) unter obiger Website.
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