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Band des Monats Oktober: In Extremo

Interview mit Lutter, dem Bassisten

Trotz scharfem Seegang standen uns In Extremo für ein interessantes Gespräch zur Verfügung.

GFN:

Seid gegrüsst!
Ihr seid zwar weithin bekannt, aber könnt ihr euch bitte einmal kurz vorstellen und sagen, welchen Part ihr bei In Extremo innehabt?

Lutter:

Ich bin Lutter, der Bassist der Band. Dann hätten wir da noch den Morgenstern (Schlagzeug), Van Lange (Gitarren), Flex den Biegsamen (Dudelsack, Drehleier), Yellow Pfeiffer (diverse Dudelsäcke und Nyckelharpa), Dr.Pymonte (Dudelsack, Harfe und diverse andere Instrumente) und last but not least Das Letzte Einhorn (Gesang, Cyster).

GFN:

In Extremo gibt es ja schon seit 1995. Zwar gab es immer mal ein paar Unterbrechungen der Teilnahme, aber im groben sind die meisten schon recht lange dabei. Seid ihr euch immer einer Meinung? ;-)

Lutter:

Nein, natürlich nicht. Aber wir streiten so lange bis wir dann am Schluss einer Meinung sind :-) Im Ernst, bei uns geht es sehr demokratisch zu, was es im Endeffekt auch nicht so einfach macht diese Band zu managen. Vielleicht übernehmen diesen Part bei uns deshalb immer Frauen... : -)

GFN:

Gibt es einen "Kopf" bei In Extremo, oder wird alles gemeinsam entschieden?

Lutter:

Wir haben nicht wirklich einen Kopf in der Band, wir haben keinen Komponisten und auch keinen speziellen Textautor. Im Laufe der Jahre haben sich bestimmte Vorlieben einzelner Bandmitglieder herauskristallisiert, doch jeder gibt seinen Teil dazu.
Deshalb werden bei uns z.B. auch alle Tantiemen, alle Einkünfte (aber auch alle Schulden) immer durch die Anzahl der Bandmitglieder geteilt. Es ist ziemlich ungewöhnlich für eine Band, aber vielleicht sind wir ja auch deshalb schon so lange zusammen.
Und: Einige der Bandmitglieder haben ja auch schon vorher zusammen in diversen Bands gespielt.

 

GFN:

Wie würdet Ihr die Stilrichtung von In Extremo beschreiben?
Zuerst gab es ja die Zweiteilung "Rock" und "Mittelalter". Mittlerweile scheinen die Grenzen zu fliessen und einiges mehr hinzuzukommen ?

Lutter:

Es ist uns egal, ganz ehrlich. Für die Einteilung sind Journalisten zuständig :-)
Wir haben nie zwischen Rock und Mittelalter unterschieden. Wir waren in der Vergangenheit mit 2 verschiedenen Programmen unterwegs, aber das hatte gewissermaßen eher bandhistorische Gründe.
Ende 2001 haben wir uns dann entschieden, die akustische Variante nicht weiter zu verfolgen. Denn wir hatten nach ein paar Konzerten "ohne Strom" das Gefühl unsere Musik so nicht mehr an den Mann bringen zu können. Ab einem bestimmten Punkt war es einfach nicht mehr möglich, 1500 Leute nur mit akustischen Instrumenten zu unterhalten.
Das hatte also einzig und allein technische Gründe: Unsere Musik litt darunter sowie auch der Spaß der Konzertbesucher. Aber vielleicht nehmen wir den Faden irgendwann noch einmal auf, wer weiß...

GFN:

Gerade die letzten (deutschen) Songs haben einen punkigen "Toten Hosen"- Einschlag, wie ich finde. Ist das gewollt? Habt ihr zu der Szene einen Bezug?


Lutter:

An die Toten Hosen hatten wir bei diesem Song überhaupt nicht gedacht, ob du es glaubst oder nicht.
Aber wir haben keine Berührungsängste zu anderen Szenen. Lass es mich so sagen: Wir selbst sehen uns weniger als Mittelalter-Rockband oder als Band die ausschließlich historische Themen "verrockt", sondern wir empfinden unsere Musik vielleicht eher als eine Art Weltmusik, wie sie z.B. auch Bands wie The Tea Party machen (eine Band mit der wir im übrigen gern einmal auf Tour gehen würden).

Und wir hören zu Hause auch sehr sehr unterschiedliche Musik, von der sich jeder auf die eine oder andere Art beeinflussen lässt.


GFN:

Mittlerweile kann man In Extremo sogar auf VIVA oder im PC-Game hören/sehen. Wird es bald auch den In Extremo Klingelton geben ;-)?

Lutter:

Das PC-Game ist ja schon eine Weile her, aber wir wollen das in der nächsten Zeit auch noch einmal wiederholen. Und Klingeltöne gibt es auch schon lange, wir haben uns mal eine ganze Weile den Spaß gemacht und die schlimmsten Auswüchse gesammelt. Damals ging der 1.Preis an eine englische Seite. Es gibt halt Dinge gegen die man sich schlecht wehren kann oder es auch einfach müßig ist. Es gibt wichtigere Dinge im Leben als Klingeltöne. Leider hat man noch nicht einmal was davon und es gibt Leute die an deiner Arbeit verdienen. Das ist schon ärgerlich.

GFN:

Was habt Ihr als nächstes vor?

Lutter:

Als nächstes gehen wir auf Tournee und wir werden in der Zwischenzeit auch eine neue DVD produzieren, die dann 2006 erscheinen wird. Im nächsten Jahr wollen wir uns verstärkt auf das Ausland konzentrieren und auch wieder ein paar neue Songs schreiben.

GFN:

Da Ihr es nun auch in die "normalen" Charts geschafft habt, stellt sich die Frage, kann man von In Extremo leben, oder habt Ihr noch "normale" Jobs?

Lutter:

Die normalen Charts bedeuten ja nicht gleichzeitig Glück und Reichtum, auch wenn die Kollegen aus der Hip Hop-Ecke manchmal anderes vermuten lassen. Wir können von unserer Musik leben und ich bin dankbar dafür und sehe das nicht als etwas selbstverständliches an. Aber wir leben nach wie vor von unseren Liveauftritten.

GFN:

Besonders faszinierend sind die Sprachwechsel auf der neuen CD "Mein Rasend Herz". Seid Ihr alle den verwendeten Sprachen mächtig, oder bringt jeder etwas ein, macht neue Vorschläge?

Lutter:

Wir sind der verschiedenen Sprachen natürlich nicht mächtig, zumal viele von ihnen ja auch nicht mehr gesprochen werden. Doch wir benutzen diese Sprachen seit unserer ersten Rock-CD. Es macht Spaß sich mit diesen alten Texten auseinanderzusetzen, zumal die Themen nach wie vor sehr aktuell sind.

GFN:

Dann gehe ich davon aus, dass die Superidee auch die Übersetzungen mit abzudrucken auch für die restlichen Bandmitglieder gedacht ist ;-)?

Lutter:

Nein, eher nicht. Wie gesagt beschäftigen wir uns alle mit den Aussagen der Texte, wir würden nie über etwas singen, dessen Sinn wir nicht verstehen.



GFN:

Das wäre übrigens auch mal eine Idee für Dextro und den Rest von Schelmish. Wir wir hörten, seid Ihr auch gut bekannt mit dieser Formatio, deren aktuelle DVD auch gut gelungen ist. Nach Euren Erfahrungen als "PC-Spielfiguren" wäre da eine Kurzfilm DVD auch etwas, was Euch Interessieren könnte?

Lutter:

Ja, wir verstehen uns ganz gut mit Schelmish. Das liegt wahrscheinlich auch darin begründet, dass unsere Auffassungen vom Musikmachen an sich sehr ähnlich sind. Sie sind moderne Spielmänner - eine Ansicht die wir auch für uns in Anspruch nehmen.

Was die DVD angeht, oder überhaupt moderne Formen der Darstellung wie PC-Spielen oder Aktivitäten im Internet, sind wir für alle Schandtaten bereit - wenn uns das Konzept und die Idee interessiert. Wir haben aber generell keinerlei Berührungsängste zu modernen Medien.

GFN:

Ihr seid sozial stark engagiert. Es gibt sogar In Extremo Fussball-Trikots ("SG Rotation Prenzlauer Berg Berlin"). Was muss man sich darunter vorstellen? Kids im Kettenhemd oder der Galgen als Logo? Wie kam es dazu?

Lutter:

Nein, wir sponsern einen Fußballklub, besser gesagt die Jugendmannschaft eines Klubs. Wir machen solche Sachen öfter, reden aber nicht gern darüber :-) Die Kontakte entstehen eher spontan über 3 Ecken. Aber wir haben alle selbst Kinder und kennen die Probleme. Unsere letztes Sponsoring betraf übrigens die Beschaffung von T-Shirts für einen Sportklub in Kuala Lumpur/ Malaysia :-). Und wenn die Kids stolz darauf sind dann wissen wir, dass wir etwas richtig gemacht haben :-)

GFN:

Der Prenzlauer Berg scheint die Mittelalterschmiede Deutschlands zu sein. Habt Ihr noch Kontakt zu anderen Band aus der Gegend? Corvus Corax sind ja auch gute Bekannte von GFN...

Lutter:

Natürlich haben wir Kontakte, schließlich wohnen wir, bis auf ein paar Ausnahmen, alle in der Gegend. Aber für uns ist es nicht wichtig, speziell Kontakte zur Mittelalterszene zu haben, wie gesagt, wir fühlen uns nicht als Teil dieser Szene, jedenfalls nicht unbedingt. Wir haben eher Kontakte zu den alten Bandmitgliedern der Inchtabokatables.

GFN:

Wir von GFN haben natürlich auch immer ein grosses Interesse am familiären Teil der Band. Habt Ihr selber Kinder?

Lutter:

Ja, natürlich. Eine ganze Menge sogar.

GFN:

Wenn ja, Wie vereinbart ihr das Leben als Spielleut mit der Familie? Mögen Eure Kinder eher den Dudelsack oder die E-Gitarre?

Lutter:

Die Frage kann ich leider nicht für alle beantworten. Meine Kinder lieben eher Gitarren oder Popmusik (das liegt wahrscheinlich auch am Alter, oder :) Natürlich ist es schwer, das Unterwegssein mit dem Familienleben zu vereinbaren und man braucht schon einen verstzändnisvollen Partner. Aber das ist in anderen Berufen auch nicht anders.

GFN:

So, habt Ihr zu guter Letzt noch ein paar Worte an unsere Familien?

Lutter:

Habt immer ein offenes Ohr für die "anderen Sounds". Ich lebe seit 2 Jahren in Asien und habe dort eine Menge an Musik kennengelernt, die es auch wert wäre, das man sie in Europa hört. Doch leider sind die Chart ja weltweit fast deckungsgleich... Aber vielleicht ist das ja auch gut so, es macht die Nischen interessanter :-)

GFN:

Vielen Dank für das Interview!

In Extremo im Web: http://www.inextremo.de
Der CD Tipp: hier
Den Konzertbericht gibt es hier
Viele Bilder vom Konzert gibt es hier

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