Interview mit Tilo
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Anlässlich
der anstehenden Veröffentlichung der neuen CD "Lichtgestalt" (s.
auch "Szene CD-Tipps") bot sich Lacrimosa natürlich als Band des
Monats gradezu an. Auch ist Tilo Wolff immer ein sehr angenehmer und
interessanter Gesprächspartner, was wir auch bei diesem Telefoninterview
feststellen durften. Aber lest selbst..
Nach einer kurzen Begrüssung (man kennt sich ja schon aus Tape-TV
Zeiten..) ging es auch direkt los.
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Tilo:
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Ich habe die Gothic-Family.Net-Seiten gerade eben auf
meinem PC gesehen. Was ein schöner Name... Wie kommt es zur
"Family"? Weil du selber Familie hast? Oder ?
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GFN:
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Genau. GFN ist mittlerweile eine recht grosse
Internetcommunity für Gothic und MIttelalter interessierte Eltern!
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Tilo:
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Okay!
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GFN:
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Ihr feiert dieses Jahr schon euer 15 jähriges
Bühnenjubiläum und veröffentlicht am 2.Mai euer 9 Studioalbum.
Wie fühlt man sich als fast schon Veteran der Gothic- Szene? ;-)
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Tilo:
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Es ist noch nicht wirklich das 15-jährige
Bandjubiläum, weil wir erst 1993 auf die Bühne gegangen sind, aber
das 15 Jahr seit der Gründung!
Ja, wie man sich fühlt... (überlegt..) Da ich mich selbst in dem
öffentlichem Bild sozusagen, was man von mir hat, wenig reflektiere, weil
ich darauf keinen Einfluss habe... Und weil es auch oftmals mit mir gar nichts
zu tun hat... Habe ich mir so eine Betrachtweise von wegen "Veteran"
noch gar nicht richtig überlegt.
Ich sehe es anders rum.
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Ich bin sehr dankbar und werde eigentlich von Jahr zu Jahr
demütiger in dieser Dankbarkeit, dass ich seid so vielen Jahren Musik
machen kann. Seid so vielen Jahren auch die Musik machen kann, die ich machen
möchte. Ohne das mir ein Management oder Label oder sonst irgendjemand im
Rücken sitzt. Das ist eine schöne Sache. Von demher sehe ich es
dankbar, freue mich natürlich auch, wenn ich zurückgucke und in all
den Jahren sehe, wieviele Bands, wie sehr die Szene im allgemeinen, von
LACRIMOSA inspiriert wurde.
Aber da ich mich selbst noch recht jung fühle, und immer noch darauf warte
das ich mal gross bin (als Kind habe ich immer gesagt, wenn ich mal gross bin
mache ich das und das...und ich warte immer noch darauf gross zu werden ;-))),
ich mich also immer noch recht jugendlich fühle... und teilweise auch
recht kindlich ;-), sehe ich mich noch lange nicht als "Veteran"
(lacht).
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GFN:
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Es ist schon ein erschreckender Ausdruck ;-),
aber es ist natürlich letztendlich ein sehr lange Zeit und ihr seid gerade
im Gothic- Rock Bereich für viele Bands der Wegbereiter gewesen. Bis zu
sehr, sehr grossen Chartserfolgen für einige Gruppen im Augenblick.
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Tilo:
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Das stimmt und das macht einen natürlich auch sehr
stolz. Aber auch wieder sehr demütig, weil man merkt wieviel Glück
man eigentlich hatte. Auch jetzt wieder Glück dahingehend, dass so viele
von LACRIMOSA profitieren können und für kurze Zeit sich ihre
Träume erfüllen können. Und man selbst sozusagen als
Schattenmann dahinter stehen/sehen kann was so passiert, ohne selber den Kopf
hinhalten zu müssen.
Ich bin sehr froh, dass LACRIMOSA immer noch so in die Szene eingebettet ist
und ich nicht zu TOP of the POPS gehen oder mich bei Gottschalk auf die Couch
setzen muss, oder sowas...
Aber trotzdem die Früchte der Arbeit natürlich in so fern erlebt,
dass ich ein sehr grosses Publikum erreichenund davon leben kann, aber auch so
die Früchte erlebe, dass ich im Radio Sachen höre, die von LACRIMOSA
inspiriert sind. Und das finde ich spannend ohne das mir selber LACRIMOSA
entgegen kommt aus dem Radio.
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GFN:
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Ja, das ist nur bei euch und ganz wenigen anderen Bands
noch der Fall, dass ihr wirklich noch stark in der Szene verwurzelt seid, auch
das sein könnt, da ihr durch das eigene Label auch ausreichend Geld
verdient, um das auch leben zu können. Ich habe allerdings auch gelesen,
dass ihr auch etwas die andere Seite kennt, weil ihr z.B. in Südamerika
sehr bekannt seid und dort auch nicht mehr ganz alleine auf die Strasse
könnt ;-), weil dann doch recht viele Leute auf euch zukommen. Wie ist das
denn vom Gefühl? Ihr sucht doch eigentlich diese Begeisterung, diesen
immensen Hype überhaupt nicht?
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Tilo:
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Das ist schön, wenn man das in so entfernten
Ländern hat. Wir haben das in Südamerika, Polen und Russland gehabt.
Das ist schön, weil man erlebt es dort hin und wieder, aber man ist dort
nicht zuhause. D.h. es ist keine ständige Sache, man wird dann nicht immer
von Reportern verfolgt. Ich bin froh, dass es in Europa so verläuft, das
wir schön touren uns aber dann nicht bei RTL Explosiv wiederfinden. Und da
bin ich schon froh drum ;-) Ich fände es nicht gut, wenn es anders rum
wäre. Wenn wir hier in der Schweiz Superstars wären und in
Ländern wo wir seltener sind, man uns gar nicht kennt. Dann sind wir hier
die ganze Zeit in unserem Privatleben der Verfolgung ausgesetzt. Wenn man auf
Tour ist will man das ja, aber nicht hier im Supermarkt an der Kasse...Da ist
man halt XY an der Kasse...
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GFN:
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Na, ja das auch nicht gerade ;-). Aber ich denke auch, dass
das ideal ist. Wollen wir uns mal der neuen CD zuwenden, der
"Lichtgestalt". So thematisch seid ihr euch recht treu geblieben. Es
geht rund um die Liebe, die verschiedenen Facetten. Was ich interessant fand,
dass du gesagt hast, das das Album so der Zenit nach 15 Jahren Bandgeschichte
ist. Wenn man das Wort Zenit hört, ist ja irgendwie so eine Art Gipfel da.
Wie ist das genau zu verstehen?
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Tilo:
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Also es ist jetzt nicht so zu verstehen, das es nun nur
noch Berg ab geht (lacht). Aber da ich nicht in die Zukunft schauen kann, da
ich keine Band mache, die über die Jahre hinaus ein klares
Marketingkonzept hat, weiss ich nicht, was mit der nächsten Platte
passiert. Ich lasse mich von meinem Herzen leiten.
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Die Welt verändert sich auch ständig. Es kann
sein, dass die nächste Bergspitze gerade am wachsen ist. Und es somit
einen weiteren Zenit geben wird, wenn man dann auf 17 oder 18 Jahre LACRIMOSA
zurückschaut. Aber im Moment bei 15 Jahre LACRIMOSA sehe ich dieses Album
als die Vollendung, was ich künsterlisch bisher zu Stande gebracht habe.
Einerseits inhaltlich, anderseits musikalisch, weil darin stecken alle Inhalte,
die ich in den letzten Jahren sammeln konnte für LACRIMOSA.
Auch im Umgang darin für grosse Orchestern zu komponieren und zu
arrangieren. Und dann auch selber zu produzieren. Und was noch viel wichtiger
ist, die Fähigkeit erlernt und verfeinert zu haben, die eigenen
Gefühle ungefiltert in die Musik einfliessen zu lassen. Und das gelingt
natürlich, je grösser die Erfahrung ist, umso besser. Und mein Ziel
war es immer emotionale Musik zu machen.
Es geht nicht darum, die beste Band der Gothic-Szene zu sein, sondern die
gefühlsechteste zu sein. Und da muss ich sagen, übertrifft dieses
Album, aus meiner persönlichen Sicht, alles was ich bisher gemacht habe.
Auch wenn ich alles, was ich gemacht habe, aus Herzen liebe. Gerade so Titel,
wie "Nachtschatten", die so dermassen ausbrechen, wo die Seele so
offen liegt, gehen mir sehr nahe.
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GFN:
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Du sagst, Ausdruck besonders in Wort und Musik. Aber auch
im Bild. Eure Cover sind immer sehr auffällig. Und was du gerade sagst,
spiegelt sich im aktuellen Cover stark wieder. Man sieht ein Flügelwesen,
eine Lichtgestalt, einen gefallenen Engel? Wenn man dann genauer hinsieht,
sieht man, dass diese Gestalt letztendlich ein Harlekinkostüm abgestreift
hat. Die Figur steht auf einem Gipfel, hat alles abgestreift und man weiss nun
nicht wie es weitergehen wird.
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Tilo:
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Genau.
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GFN:
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LACRIMOSA- Fans sind ja immer sehr interpretationsfreudig.
Da könnte dem einen oder anderen ein Schauder über den Rücken
laufen bei dem Gedanken LACRIMOSA könnten sich auflösen oder was ganz
anderes machen. Die Gefahr besteht aber nicht, oder?
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Tilo:
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Ganz im Gegenteil. Gerade nach "Snake
Skin" (Nebenprojekt, siehe CD Tipps!!) bin ich umso mehr wieder voll auf
LACRIMOSA fixiert. Der kurze Abstecher mit "Snake Skin" hat mir sehr
gut getan. Es ist viel mehr so zu verstehen, wenn ich kurz was zu dem Cover
sagen kann. Auf dem Backcover unten neben seinen Kleidern sieht man diese
Schlucht. Die Schlucht von "ECHOS". Ich wusste ja damals nicht, wie
es weitergehen wird und ich habe immer gesagt, vielleicht fährt dieses
Schiff raus auf das offene Meer über die Klippen.
Ich konnte mir nicht vorstellen das sich LACRIOMSA in eine ganz andere Richtung
entwickeln würde ausgehend von "ECHOS", nämlich so wie sich
diese neue Platte musikalisch darbietet. Das es von einem eher kopflastigem
Album zurück zu einem ganz extrem emotionalem Album gehen würde.
Und so ist auch dieses Cover zu verstehen. Der Harlekin ist nicht mit dem
Schiff weitergefahren, sondern an Land gegangen. Ist diesen Berg
heraufgeklettert um zu zeigen, dass er in einer anderen Dimension ist auf
diesem Album. Er ist in einer Haltung, die einerseits Demut ausstrahlt aber
auch Stärke.
Das ist halt der Ausdruck, den ich hatte, als ich dieses Cover konzipiert habe.
Und er sitzt halt auf diesem Berg, um diese Nähe zu seinem Schöpfer,
der einerseits ich selbst bin als seine Lichgestalt und ich andersrum, versetzt
in ihn herein, als InAmigo auch wiederum mein Schöpfer ist. Das soll auch
zum Ausdruck bringen, dass vieles, was wir als Gaben mitbekommen haben, uns
schon in der WIege mitgegeben wurde. Und das erfüllt mich mit Dankbarkeit.
Und das soll auch auf diesem Cover zum Ausdruck kommen. Die Dankbarkeit 15
Jahre, das machen zu dürfen, was ich wollte.
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GFN:
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Das Bild an sich hat mich stark an die Royo Reihe vom gefallenen Engel
erinnert. Ist das gewollt?
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Tilo:
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Nein, das sagt mir gar nichts.
(man diskutiert über Royo im allgemeinen)
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GFN:
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Das Album wird besschlossen durch das "Hohe Lied der Liebe".
Das hast du aus dem 1. Korintherbrief aus der Bibel.
Wie bist du auf die Idee gekommen, euer Album mit gerade so einem recht
anspruchsvollem Text zu besetzen?
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Tilo:
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Ich habe sehr viele Lieder zu der Liebe geschrieben. Die Menschen
versuchen seid Jahrhunderten die Liebe zu definieren. Ich dachte, zum Abschluss
dieses Albums, auf dem ich mich mit den vielen Facetten der Liebe, wie ich sie
bisher kennengelernt habe, auseinandesetzte, die Definition der Liebe mal daher
zu nehmen, wo sie herkommt und zwar aus unserem westlichen und sehr
christlichen Kulturgut. Diese Definition entstammt der Bibel und Gott.
Wenn man noch weiter zurückgeht bis ins Altgriechische findet man 20
Begriffe, die ein Gefühl ähnlich der Liebe beschreiben und einer
davon ist halt das Wort Liebe und die Definition, wie wir es heute verstehen.
Und das kommt aus der Bibel, der christliche Background. Diese Definition wird
im ersten Korintherbrief sehr schön zum Ausdruck gebracht. Und da dachte
ich, wenn die Menschen schon so oft versucht haben, es zu beschreiben und dort
steht es eigentlich eindeutig, dann muss ich nicht noch einen weiteren eigenen
Versuch starten (lacht).
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GFN:
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Dein christlicher Glaube und die Gothic-Szene war für dich
persönlich nie ein Widerspruch. Nun gibt es in der Szene aber sehr
zwiegespaltene Gefühle. Es gibt durchaus sehr religiöse Leute, aber
auch Leute, die dieses Thema völlig von sich weisen. Kann man eigentlich
jahrelanger LACRIMOSA-Fan sein und gleichzeitig gottlos? ICh sag extra gottlos,
weil es gibt ja verschiedene Formen des Glaubens. Nur kann man Atheist sein und
LACRIMOSA-Fan?
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Tilo:
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Ich muss ehrlich sagen, ich weiss es nicht genau.
Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Es ist allerdings so, das ich
ja nie, bis auf jetzt hier bei "Lichtgestalt", einen Bibeltext
vertont habe oder nie das Wort GOTT oder sonst etwas in den Mund genommen habe
in Zusammenhang eines Textes.
Es ist natürlich schon so, dass meine Musik einigermassen spirituell
inspiriert ist. Auf der anderen Seite muss man allerdings auch sehen, dass
viele christliche Grundfeste gleichzusetzen sind mit vielen Grundfesten, die
die Gothic-Szene inne hat.
Was funktioniert ist, dass man christlich eingestellt sein kann und Gothic, was
nicht funktioniert, ist, dass man Satanist ist und Gothic.
Was viele nicht verstehen, weil per Definition, was die Gothic-Szene
ursprünglich zum Ausdruck bringt und darstellt, nicht zu vereinbaren ist
mit dem, was satanistisches Gedankengut inne hat.
Was allerdings missverstanden wurde, da in Amerika der Satanismus plakativ
gelebt wird, sei es durch Marylin Manson, der aber auch mittlerweile klar sagt,
woher das kommt, aber auch durch Bands wie Christian Death, etc. die mit diesem
Satanismus keine religiöse Haltung wiedergeben, sondern einen gegen die
Gesellschaft gerichtete, gegen die amerikanische Gesellschaft gerichtete
Haltung wiedergeben!

Weil die amerikanische Gesellschaft sehr plakativ christlich ist und dort die
einzige Möglichkeit Anarchie zu leben und zu predigen ist, dagegen zu
rebellieren.
Das hat dazu geführt das dann diese Gegenbewegung nicht wie in Europa oder
England eine politische, sondern eben dort eine antichristliche Bewegung
hervorgebracht hat und keine satanistische. Und das haben die Europäer
eben falsch verstanden. Die dachten, dass hat was religiöses und dann
haben sie noch von Crowley gehört usw. und nie gemerkt, dass das
eigentlich auch nur Entertainer waren. Und so denken viele europäische
Gothics, sie müssten Satanisten sein, wissen aber eigentlich A) nicht um
was es wirklich geht bei Satanismus, weil sie sich nicht damit ausseinander
gesetzt haben und B) wissen sie nicht, woher das eigentlich kommt und wieso die
Szene eigentlich mit dem nicht einher gehen kann.
Das ist leider so inzwischen, weil es auch von den schwarzen Medien, nicht
wirklich aufklärerisch dargestellt wird, wobei man da auch dazu sagen
muss, das viele die für die Szene schreiben, oft auch erst seid zwei
Jahren dabei sind und alles nur durch Hörensagen kennen. Und die es dann
lesen, glauben, dass das dann wahr ist. Und so hat sich das dann in eine
Richtung entwickelt, die sehr von der Wahrheit weg ist.
Aber ich denke, du hast bei euren Lesern auch eher die älteren dabei, die
diese Dinge, die ich zum Ausdruck bringe, wissen und dann ist es auch kein
Geheimnis mehr... Und von dem her ist eigentlich die Verbindung zwischen
Atheist sein und LACRIMOSA- Fan glaube ich keine so schwierige Sache. Ich muss
dazu sagen ich höre auch Musik teilweise aus einem Background, den ich
nicht bis in letzter Konsequenz unterstreichen würde. Und ich glaube ich
höre wahrscheinlich zum Grossteil atheistische Musik, weil ich denke die
meisten Musiker sind neutral also atheistisch ;-).
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GFN:
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Du hast Recht, wir haben viel älterere Leserschaft, Familien oder
andere Leute, die die wahre Entwickung der Szene noch kennen. Leider gerät
einiges immer mehr den Leuten aus den Augen. Oder kommt auch falsch rüber.
Es ist immer wieder interessant, das auch mal von bekannten Musiker zu
hören und zu präsentieren, was so hinter der "Szene"
stand/steht..
Noch eine Frage zur anstehenden Tour. LACRIMOSA ist ja eigentlich ein
Gesamtkonzept aus Styling und Musik usw. Kann man wieder etwas aufwendiges auf
der Bühne erwarten?
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Tilo:
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Ein Orchester werden wir diesmal nicht dabei haben, weil ein Orchester
uns die Möglichkeit nimmt, auf der Bühne zu improvisieren, was mir
sehr wichtig ist. Vor allem nach so einer langen Studioproduktion. Bei der
überhaupt nichts improvisieren werden kann, da müssen alle Noten
stehen. Sonst würde das ganze Konstruktum zusammenbrechen.
Und drum ist es mir sehr wichtig, nach dieser konzentrierten Arbeit im Studio
auf der Bühne die Möglichkeit zu haben, zu improvisieren und jeden
Abend auf das Publikum erneut eingehen zu können. Das geht natürlich
nicht mit Orchester.
Das klingt dann eher nach 12 Ton Musik ;-). Aber es wird natürlich ein
sehr spannender Abend, weil die Tour alle Alben umfassen wird, die LACRIMOSA
geschrieben hat. Sozusagen die Geschichte, wie sie bis heute geschrieben ist.
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GFN:
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Zu guter Letzt noch eine typische GFN-Frage :-). Wie ist es so vom
Empfinden für dich, wenn du so von Gothic-Family.Net hörst. Es geht
ja nicht darum eine neue Gothic Generation zu erziehen ;-).
Es geht ja schon um die Eltern, die ihren Lifestyle vorsetzen wollen, mit
Kindern. Kannst du das nachvollziehen oder selber mal vorstellen, mal Kinder zu
haben?
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Tilo:
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Na ja, über private Sachen rede ich ja nicht. Grundsätzlich
finde ich das eine klasse Sache. Freunde von mir haben vom letzten WGT
erzählt, wo sie ihr Zelt ganz nah bei einigen Familie hatten, die alles
sehr gut organisiert hatten. Wenn eine Band spielte, die ein Elternpaar sehen
wollte, haben sie ihr Kind den anderen zum Aufpassen gegeben und anders rum.
Das fand ich eine total tolle Idee. Ich finde das klasse, wenn jemand der
Familie hat, eine Möglichkeit findet in der Szene zu bleiben.
Ich sehe das ja an meinen Freunden, dass wenn Kinder da sind alles irgendwie
stehen bleibt, nix mehr passiert... Es gibt keine Weiterentwicklung und was das
heisst ist ja klar, der Tod.
Das tut der Szene gut und auch dem Nachwuchs, wenn sie zuhause mal was anderes
hören als DJ Bobo ;-)
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GFN:
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Ja das klappt auch sehr gut, mein Sohn hört mittlerweile z.B. sehr
gerne Doro Pesch, seid wir sie als Band des Monats hatten, und zwar ohne unser
zutun ;-) Obwohl er auch Schnappi hört :-)
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Tilo
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(lacht)
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GFN:
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Ja das war es schon, vielen Dank für das sehr interessante
Interview und viel Erfolg für die anstehende Tour, von der wir dann auch
aus Oberhausen berichten werden!
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Tilo:
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Ja, euch auch weiterhin viel Erfolg!
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Mehr Fotos von Lacrimosa gibt es nach dem Konzert!
Lacrimosa im Web
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