Band des Monats April 05:
Pink Turns Blue
Interview mit Mic Jogwer (Sänger bei
PTB)
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Anlässlich des neuen Albums
und der Tour zum 10 jährigem Bestehen, nutzten wir die Gelegenheit um Pink
Turns Blue einige Fragen zu stellen
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GFN:
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- Hallo, schön, mal wieder was neues von Euch zu hören! Stellt
ihr euch bitte für den unwissenden Leser vielleicht einmal kurz vor, wer
macht was in der Band, wie lange gibt es euch schon - oder wieder ;-)?
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Mic:
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Ursprünglich wurden Pink Turns Blue ca. 1986 in Köln
gegründet und waren kurz danach in der Formation Mic Jogwer (Gesang und
Gitarre), Rübi Walter (Bass & Keyboards), Reini Walter (Keyboards) und
Marcus Giltjes (Drums) die Wegbegründer des deutschen Dark Wave mit Hits
wie Michelle, Your Master Is Calling, Seven Years, Catholic Sunday etc. etc.
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Nach ca. 10jähriger Pause wurden wir von
Thomas Görnert, dem Geschäftsführer des Wave & Gotik
Treffens und einem bekennendem Pink Turns Blue Fan eingeladen, ein einmaliges
Re-Union Konzert auf dem WGT zu spielen. Es begann mit Freundschaft und
Spaß an den alten Songs und ist nun zur Leidenschaft und Mission
gewachsen. Diese werden geteilt von Mic Jogwer, Gesang und Gitarre, Brigid
Anderson, Gesang und Keyboards, Reini Walter, Bass und Louis Pavlou, Drums,
Keyboards und Gitarre. Marcus Giltjes steuert im Studio noch Musik dazu und
kümmert sich um das Artwork.
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GFN:
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Eure neue CD heisst "Phoenix" (erscheint am
04.04.2005, siehe auch CD-Tipp!), steht der Name für Eure
"Re-Union", schliesslich hat man als PTB einige Jahre wenig von Euch
gehört? Was hat euch bewogen, wieder gemeinsam als Band auf der Bühne
zu stehen?
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Mic:
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Unser erstes Konzert auf dem WGT war eine kleine Sensation. Gerade bei
Gothic Fans, die sonst eher auf Elektronik der Mittelalter Klänge stehen.
Vermutlich, weil wir 100% live spielen, sehr viel Gefühl in unseren Songs
und Klängen vermitteln und dennoch modern klingen. Für viele sind wir
sozusagen die goldene Brücke zwischen Club und Mittelalter.
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Das führte dazu, das wir ein eigenes, ausverkauftes
Re-Union Konzert in Bochum und weitere erfolgreiche Festivalauftritte auf dem
WGT und Mera Luna 2004 absolvierten. Auch dort war der Zuspruch
überwältigend und machte es uns sehr leicht, mit neuen Songs und
einem neuen Album aufzuwarten. Der Titel steht für unsere Musik und unsere
Songs. Schönheit und Leben aus der Asche und der Häßlichkeit.
Pink Turns Blue steht für die Sehnsucht nach Freundschaft, Liebe,
Harmonie, Frieden. Alles lebenswichtige Elemente, die es zu verteidigen gilt in
einer Welt des Profitstrebens, der Kriege, der Unterdrückung , des Terrors
(von oben und von unten) und des Hungers.
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GFN:
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Der "Beipackzettel" zur Promo-CD
enthält Kurzbeschreibungen zu den einzelnen Songs Eures Albums. Euch
scheint das Textverständnis sehr am Herzen zu liegen. Denken Euch die
Menschen zu wenig oder wollt ihr zu mehr Nachdenken anregen? Wird die CD im
Booklet auch ausführlich auf die Texte eingehen?
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Mic:
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Gute Güte. Beipackzettel und Texte. Solche Dinge
entstehen eher zufällig, weil irgend jemand es für eine gute Idee
hält, etwas zur Musik zu sagen. Deshab haben wir kurz beschrieben,
worüber die Songs handeln. Aber es stimmt. Es ist auffällig, wie sehr
die Musik und die Texte unsere Haltung und unsere Theme widerspiegeln. Pink
Turns Blue Songs sind immer zu 100% Gefühl. Unsere Seelen sind traurig,
wütend, verletzt und haben diese Sehnsucht nach Tiefe und Authezität.
Deshalb beschreiben Musik und Texte einerseits die Welt in all ihrem Schrecken
und die Wahrheit, so wie wir sie sehen so schroff und grob und
häßlich. Und gleichzeitig sind für uns Menschen, Seelen,
Gefühle wie Liebe und Freundschaft alles, was das Leben wirklich ausmacht.
Dieser Widerspruch, diese Gegensätze machen unsere Musik und unsere Texte
aus.
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GFN:
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Der Makrokosmos: Öl-Kriege, Kriege auslösende
Religion, Massenkonsum - im kleinen besteht das Leben aber aus vielen positiven
(und negativen) Dingen, die es lebenswert machen. Auch Liebeskummer und Leid
sind Emotionen, die zeigen, das man lebt. Ein Versuch, den textlichen Inhalt
der CD zusammenzufassen. So einverstanden?
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Mic:
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Oh ja. Man könnte sich in Ohnmacht ergeben, wenn man
die eigene Bedeutungslosigkeit im Makrokosmos erkennt. Oder zum
Verzweiflungstäter, zum Terroristen werden. Es ist so grausam, dass man so
weng zum Guten ändern kann, weil die große Maschine so perfekt
funktioniert. Und es kann einen in den Wahnsinn treiben, wie viele Menschen
sich von der gleichen Maschinerie "entertainen" lassen: RTL,
Millionärsshow, der Traum von der guten heilen Welt. Schön einfach,
gekauft. Wieso, ich bin doch glücklich, solange ich konsumieren kann,
oder? Und dann gibt es diese einmalig schönen Dinge, die man sich weder
kaufen kann noch muß: Ein Lächeln, eine Liebe, eine Freundschaft,
ein Verständnis und hier und da auch ein Bild, eine Textzeile eine
Melodie.
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GFN:
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Was ist euch wichtig um und am Leben?
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Mic:
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Trotz der grauen Realität für das Gute und das Wahre
kämpfen. Schönheit produzieren, auch wenn es "nur" im
Herzen wirkt und die Welt nicht besser macht. Aufrichtig sein, füreinander
einstehen, andere stützen. Manchmal geben uns die wirkliche gelungen Songs
Kraft. So wie ein Licht in der Dunkelheit.
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GFN:
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Ihr seid (früher wie heute, zum Glück) für
mich eine typische Dark Wave Gruppe. Diese Stilart (also intelligente Texte,
Mischung aus Elektronik mit Gitarren, introvertiert wirkende Auftritte - halt
was für den Kopf und für das Auge) scheinen auf dem Rückzug zu
sein, man benutzt selbst diesen Begriff kaum noch. Wie seht ihr euch selbst und
was haltet ihr vom derzeitigen Musikmarkt, mit besonderem Blick auf die
Gothic/Wave-Szene?
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Mic:
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Na gut, die Trends und die Szenen entwickeln sich, so wie
sie sich entwickeln. Da gibt es weder gut noch schlecht, sondern Musik spiegelt
sehr oft die haltung und die Gefühlslage einer Generation wider. Positiv
möchte ich bemerken, dass heutzutage viele musikalische Farben
nebeneinander existieren können, ohne sich gegenseitig
auszuschließen. Was für eine "richtige" Band wie Pink
Turns Blue gut ist, sind die Festivals, wo das Publikum miterleben kann, was
eine Gruppe, die die gleiche Leidenschaft und Mission im Gleichklang und 100%
live an Gänsehaut und Schauer erzeugen kann. Das ist einfach ein
einmaliges Erlebnis.
Es ist im Hier und Jetzt und dennoch zeitlos schön. Bei elektronischer
Musik steht die Musik eher für sich und gibt kaum Möglichkeiten live
etwas Einmaliges passieren zu lassen, das Publikum hat keine Auswirkung auf
Tempo, Dynamik, Struktur oder spontane Interpretation, da ausser dem Gesang
alles von der CD oder vom Laptop kommt. Und dennoch erzeugt gerade diese Musik
im Club dieses schön schaurige Gefühl. Mittelaltermusik zeugt von
höchster Virtuosität und entführt in andere Welten und Zeiten
und gibt ein herrliches Geneinschaftsgefühl.
Ein Band wie wir hat die Möglichkeit, dass Hier und Jetzt mit allen
Mitteln, Klängen und Worten zu beschreiben und daraus dieses Gefühl
zu erzeugen. Pink Turns Blue füllen sicherlich derzeit eine Lücke und
schlagen eine Bresche für viele junge Bands, die einen ähnlichen
Ansatz haben. Von der großen Resonanz auf uns und unsere Musik
ließe sich eher schließen, dass der Trend eher wieder zu Bands wie
uns geht.
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GFN:
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Ende April geht ihr auf eine kleine Club-Tour durch
Deutschland, freut ihr euch darauf, die neuen Songs einem geneigten Publikum
vorzustellen? Wird sich denn auch der eine oder andere frühere Hit ins
Programm schleichen :-)?
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Mic:
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Natürlich werden wir die neuen Songs vorstellen und
natürlich werden wir unsere zeitlosen Lieblinge mit 100%ger Leidenschaft
zelebrieren.
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GFN:
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Ist sicherlich immer schwierig, das die Leute immer wieder
nach alten Songs wie "Michelle" fragen, oder? Aber die Lieder sind
halt so schö-ön ;-)..
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Mic:
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Das ist überhaupt kein Problem. Im Gegenteil. Wir
spielen die außergewöhnlichen, zeitlosen Songs wie Michelle, Your
Master Is Calling, Seven Years immer wieder gerne. Sie klingen ja auch jedes
Mal anders.
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GFN:
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Alle Bandmitglieder sind in der einen oder anderen Form im
künstlerischen/musikalischen Bereich tätig. Ist es schwer, das mit
PTB nun zeitlich auf einen Nenner zu bringen? Wie packt ihr das eigentlich
zeitlich, ihr habt ja sicherlich auch noch ein Privatleben - und vielleicht
auch Kinder ;-)?
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Mic:
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Stimmt. Wir sind leider nicht wirklich flexibel und
Auftritte, Aufnahmen etc. müssen lange im voraus geplant werden.
Insbesondere Louis mit seinen Verpflichtungen im Studio (The Cure, Neneh Cherry
uvm.) und Brigid mit ihren Fashion Events benötigen Vorausplanung. Den
Luxus einer Tochter und der Familie habe lediglich ich. Meine Frau und meine
Tochter leisten jedoch enormes an Beitrag und Verständnis, so dass es doch
irgendwie hinhaut.
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GFN:
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Vielleicht habt ihr ja einen Blick auf unsere Seiten werfen können
oder schon mal was drüber gelesen. Auch "Schwarze" kriegen
Kinder :-), wollen aber dennoch ihre Lebenseinstellung weiter behalten
"dürfen" und auch mit Kindern sich im Rahmen der
Möglichkeiten ausleben. Ist das für euch nachvollziehbar, eventuell
seid ihr ja in ähnlichen Lebensumständen?
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Mic:
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Nun ja. Wo ist denn das Problem? Das geht doch den Hippies/Ökos,
den Opel-Manta-Fahrern und den Bankern nicht anders, oder? Meine Erfahrung war,
dass sogenannte Spinner niemals so toleriert wurden wie heute. Solange man lebt
und leben läßt... Natürlich haben wir unsere Erfahrungen der
besonderen Art gemacht (Hausgeburt?, Künstler?, gänzjähriges
Halloween?), aber wenn man es mit Verständnis für die Sicht der
Anderen milde akzeptiert, kommt es sehr selten zu wirklich anstrengenden
Situationen, oder?
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GFN:
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Abschliessend wie immer unsere Frage, ob ihr unseren Lesern noch etwas
persönliches mitteilen möchtet (freiwillig)?
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Mic:
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Love Is Dynamite!
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GFN:
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Vielen Dank für das Interview und good luck für die CD und
die Tour!
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Mic:
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Bitte!
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Pink Turns Blue im Web: http://www.pinkturnsblue.de/
Zum CD-Tipp geht es hier
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