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Band des Monats Juni 2004: SCHELMISH

Interview mit den Schelmen

Anläßlich des Wave Gotik Treffens 2004 nahmen sich die Holden und Recken von Schelmish die Zeit, uns ein paar kurze Fragen recht ausführlich und unterhaltsam zu beantworten ;-)


GFN:

Wir verfolgen Euer Schaffen schon einige Zeit, aber könnt ihr Euch bitte für den Rest unserer Leser kurz vorstellen und uns erzählen, wie Ihr persönlich zum "Mittelalter" gefunden habt?

Amsel:

Also, ich bin die Amsel von Nydeggen, und das Mittelalter hat mich gefunden! : Ich mache eben schon seit vielen Jahren Musik und die mittelalterliche Musik ist mir bei meiner Suche durch die Zeiten besonders lieb geworden… und da ist die Szene nicht weit, denn da kann man sich musikalisch und auch andersweitig austoben.

Fragor:

Vom Live-Rollenspiel über Freunde zum Mittelalter... ich fand es eigentlich immer öder... wegen der ganzen Ultra-Realisten, die immer jammern, dass irgendwas nicht authentisch sei... Dann jedoch habe mich aber eines Besseren belehren lassen und bin über Heerlager irgendwie da rein geschliddert.

Sakepharus:

Zuerst über Legoburgen, dann über das Rollenspiel, schließlich über die Münchner Mitfahrzentrale, als ich ein Bandmitglied von Schelmish mitnahm und direkt als Davulspieler rekrutiert wurde.

Luzi:

Vor ein paar Jahren habe ich mit meiner Familie einen Mittelaltermarkt besucht und habe dort In Extremo spielen sehen. Seitdem habe ich mich für die Musik und das Mittelalter interessiert.

Dextro:

Eigentlich fing meine musikalische Laufbahn im Irish Folk an, doch als mein damaliger Partner wegzog, musste ich mich anderweitig umsehen und gab mein Debüt bei den "Streunern", jedoch nur 2 Wochen lang und dann gründete ich meine eigene Band - nämlich Schelmish, denn nur so konnte ich die Musik machen, die ich wirklich wollte.

Rimsbold:

Ich wurde gefragt, ob ich nicht bei Schelmish mitmachen möchte. Von dem Zeitpunkt an wuchs die Liebe zum Mittelalter.

DesDemonia:

Ich habe meiner Mutter zu ihrem 60. Geburtstag ein Ritteressen geschenkt und von da an ließ mich das Mittelalter und seine Musik nicht mehr gehen.


GFN:

Eure Musik unterscheidet sich sehr von dem, was man sonst so auf den Mittelaltermärkten hört. Eine bunte Reise mit derber Sprache und viel Wortwitz. Wie würdet Ihr sie selber (kurz) beschreiben?

Amsel:

Schelmisher Mittelalter-Punk ;-) (nicht zu verwechseln mit schelmischem Mittelalter-Folkrock!)


DesDemonia:


Sich selbst zu beschreiben ist immer eine schwierig Sache. Was wir da auf der Bühne produzieren ist einzig und allein Bauchsache und einfach nur "schelmish", weil wir so sind wie wir sind. Das selbe gilt für die Musik, die wir machen. Es kann nicht sein, immer nur die alten Schinken neu zu interpretieren, sondern es muss Neues geschaffen werden und das tun wir.

GFN:

Einige Eurer Texte sind in lateinisch, also in "fremder" Zunge geschrieben. Sammelt Ihr so etwas zusammen oder gibt es unter Euch ein (zwei, drei) arg belesenes und gebildetes Geschöpf, welches dieser Sprache und anderen gar mächtig ist? ;-)

Amsel:

Einige von uns haben Latein in der Schule gelernt, bei manchen ist das schon sehr lange her :-)), aber man hat noch fragmentarische Erinnerung daran und natürlich kundige Freunde, die einem gerne behilflich sind. Und wenn es eben sein muss, befassen wir uns eben so lange damit, bis wir es raus haben. Aber darüber hinaus haben wir ja auch einige altfranzösische und altspanische Texte… nicht, dass wir das alles fließend beherrschen würden, aber wir sind eben neugierige Menschen, die gerne forschen und ausprobieren, auch wenn das Ergebnis vielleicht nicht die hundertprozentig korrekte Aussprache dieser wunderschönen aber leider inzwischen toten Sprachen ist, wie auch immer, es sind Texte, die ihre Aktualität noch immer nicht verloren haben.

Fragor:

Untereinander sprechen wir eigentlich nur Alt-Hebräisch....... :) Ich denke, es gibt den einen oder anderen unter uns, der sowohl belesen als auch der lateinischen Sprache mächtig ist.... Ische nixe... isch Trommler...

GFN:

Einige Bands bauen ihre Musikinstrumente ja selber. Eure Dudelsäcke z.B. sind ja recht imposant... Sind das auch Eigenkreationen?

Dextro:

Das Design zum Teil ja, da reden wir auf jeden Fall mit, was die Technik angeht, das überlassen wir momentan noch dem Fachmann…Wir experimentieren allerdings schon ein wenig und basteln z.B. Trumscheit und anderen Kleinkram selber und werden auch bald anfangen, uns mal an einem Dudelsack zu versuchen.

GFN:

Wenn Ihr auf der Bühne steht, seid Ihr ein ziemlich eingespieltes Team und nehmt Euch gegenseitig hoch. Seid Ihr auch privat eng verbandelt / gar verwandt?

Amsel:

:

Nun, wenn man jedes Wochenende zusammen rumhängt, schweißt das natürlich mit der Zeit zusammen… wenn man sich da nicht einigermaßen gut verstehen würde, wäre es auch gar nicht zu machen.

Fragor:

Sowohl als auch... Schelmish ist Familie und Freundschaft.....!

Sakepharus:

Ich bin mit Fragor verheiratet und Amsel ist unsere Tochter

Luzi:

Dadurch, dass man jedes Wochenende unterwegs ist und auch die Woche über oft probt usw. wird man zu einer Art Familie. Das schweißt halt zusammen.

GFN:

Aus Euren Steckbriefen erfährt man, dass Ihr schon (teilweise) in anderen Bands Eurer Können unter Beweis gestellt habt. Seid Ihr geborene Spielmansleute (-frauen) oder habt Ihr auch noch weltliche Berufe?

Fragor:

Meist verdingen wir uns als Tagelöhner oder Grabräuber.... ;)

Sakepharus:

Ich habe in einer anderen Band gespielt, mit Können hatte das nix zu tun - es war PUNK.

DesDemonia:

Auch geborene Spielmannsleut müssen essen und ein Dach über dem Kopfe haben und so ist es auch bei uns. Ein jeder von uns hat auch noch einen Job im Hinterhalt, um überleben zu können. Doch das Herz liegt in der Musik und nichts wäre uns allen lieber, als die Möglichkeit zu haben, sich ganz und gar nur noch mit der Musik zu beschäftigen.

GFN:

Egal, ob auf kleinen Weihnachtsmarktbühnen oder auf in großen Hallen. Eure Show ist immer sehr energiegeladen und abwechslungsreich...Man merkt, dass Ihr das Spiel auf der Bühne liebt. Manch eine bezeichnet sich sogar als "Rampensau" ;-). Wer bestimmt bei Euch den Ablauf, wer hat das Sagen ;-)

Rimsbold:

Schelmish ist das Musterbeispiel einer Demokratischen Diktatur. Den Ablauf bestimmen wir eigentlich gemeinsam, das Sagen hat jeder mal, wie es gerade kommt. Auf der Bühne sind wir ein Team... 90% der Show ist spontan... Natürlich haben wir ein grobes Konzept, aber meist ergibt sich einfach etwas aus der Situation etwas.... Und Dextro passt immer auf, dass wir uns nicht total verzetteln ;-)

GFN:

Noch mal auf die Abwechslung zurückkommend... Wir waren ja "etwas" geschockt, als Ihr während eines Konzertes plötzlich als Rapper auf die Bühne kamt... Ist das der Versuch nicht nur Mittelalterfans und Gothics für Euch zu begeistern, oder testet Ihr damit die Schmerzgrenze Eures Publikums??? Autsch! ;-(




DesDemonia:

Der Reiz bestand vor allem darin, einen 800 Jahre alten Text auf eine ganz und gar heutige Form zu bringen. Dafür eignet sich momentan nun mal nichts besser als HipHop. Außerdem war es die Gelegenheit, mal was ganz Neues zu probieren. Die Idee ist uns in unserem Tourbus gekommen, als Rimsbold einfach mal den Text von 'Ich was ein Chint' auf einen Instrumentalteil schmetterte... Wir findens gut und es macht einen Heidenspaß.... Natürlich wissen wir, dass wir damit nicht unser gesamtes bisheriges Publikum begeistern können, denn wir haben Reaktionen darauf gehabt, die von " Das habt Ihr nicht nötig" bis "Das ist ja megaaffengeil" reichten. Das ist aber eben Schelmish…. Und auch diese Musik ist ein Teil von uns. Recht machen kann man es in keinem Fall allen.

GFN:

Wenn Ihr so offen für alle Strömungen in der Musik seid. Was ist dann der nächste Schritt? Was erwartet uns auf der neuen CD, IGNI GENA, die demnächst erscheint?

Amsel:

,…..wir haben noch einige Überraschungen auf Lager - mehr verraten wir nicht.

Luzi:

Auf IGNI GENA ist das Spektrum noch breiter gefächert, als bei unseren vorherigen CD´s. Traditionelle Cantigas, selbstgeschriebene Tanzstücke usw. Wir haben aber auch ein traditionelles Stück mit modernen Instrumenten und ein modernes Stück auf alten Instrumenten aufgenommen.



GFN:

Vorab kann man sich an der neuen Single "Si Salvas Me", die Satzvey Hymne, erfreuen. Wie kam es dazu? Habt Ihr ein spezielles Verhältnis zu Gräfin Beissel, der Herrin von Burg Satzvey?

Amsel:

In Satzvey sind die meisten von uns "groß" geworden, Schelmish an sich natürlich, aber auch Amsel hat hier ihre Mittelalterlaufbahn vor über 12 Jahren begonnen, zu Schelmish kam sie ja erst später. Satzvey ist uns lieb geworden, da es eine Art Heimat für uns ist, hier treffen wir viele Freunde, die auch schon seit vielen Jahren dabei sind. Zu der Grafenfamilie ist eine Art Freundschaft entstanden.

Dextro

Graf und Gräfin Beissel sind uns sehr lieb geworden, dadurch dass sie Schelmish in seinen Anfängen eine Chance gaben, sich zu beweisen, indem sie uns die Möglichkeit gaben, auf ihren Ritterspielfesten aufzutreten. In den Jahren hat sich auf diese Art und Weise eine Freundschaft ergeben, die langsam gewachsen ist und so auch Bestand hat. Die Hymne "Si salvas me" haben wir gerne für Satzvey gemacht, um damit auch unseren Dank dafür zum Ausdruck zu bringen.

GFN:

Wenden wir uns einmal dem zwischenmenschlichem Miteinander zu... Habt Ihr eigentlich ein Familienleben? Gar ein paar Kinderlein versteckt? Amsel wohl eher nicht, gell? ;-)))) Wenn ja, wie macht Ihr das bei den vielen Terminen durch das ganze Land?



Amsel:

Wie soll Amsel denn jetzt diese Frage verstehen :? Aber ihr habt Recht, Amsel hat jedenfalls noch keine Kinderlein, auch keine versteckten…. Nur einen Mann und einen Hund, …. ….. und die sind oft genug alleine, was manchmal nicht ganz einfach für alle ist.


Fragor:

Kinder? - keine von denen ich weis ;-)

DesDemonia:

Ich habe das Glück, eine wirklich großartige Familie zu haben, auf die ich sehr stolz bin und auf die ich mich hundertprozentig in jeder Lage des Lebens verlassen kann.

GFN:

Irgendetwas, das ihr abschließend unseren werten Familien mitteilen möchtet (freiwillig)?

Dextro:

Wer sind wir schon, dass wir gestandenen Vätern und Müttern Ratschläge erteilen können. Das einzige, was zählt ist, dass die Familie das beste Team sein sollte, in dem man spielt. Wir hoffen, in Zukunft viele von Euch wieder zu sehen und finden es großartig, dass wir Euch mit unserer Musik erreichen konnten.

GFN:

Habt Dank, für Euer freundlich Wort. Unsere Wege werden sich bestimmt in Bälde wieder kreuzen ;-)

Amsel:

Gerne !

DesDemonia:

Wir danken Euch und wünschen Euch für Eure zukünftigen Projekte viel Erfolg.


Weitere Fotos gibt es in der Fotogallerie...hier!
Schelmish im Web: http://www.schelmish.de

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